Verschenkt oder vergessen? Aufwändige Studie des Bund Naturschutz ignoriert Solarthermie

PV und Thermie sollen sich keine Konkurrenz machen, sondern möglichst intelligent kombiniert werden. Dann ist eine optimale Eigenversorgung möglich. Hier das Beispiel Sonnenhaus Hövel in Prien: jede Menge Stromerzeugung auf dem Dach – Solarthermie an der Fassade.

Wärme, Strom, Mobilität: Michael Hövel, Vorstandsmitglied im SHI, praktiziert die Energiewende auch im privaten Zuhause. Beide Fotos: Sonnenhaus-Institut / Markus Aichhorn

Wo in Fachgremien seit Monaten und Jahren über zukunftsweisende Konzepte für die Nutzung von Solarenergie und deren Festschreibung verhandelt wird, ist die Fotovoltaik allgegenwärtig. So allgegenwärtig, dass es der Solarthermie regelmäßig droht, „hinten runter zu fallen“. Bernd Kerscher, arbeitet als Vorstandsmitglied des Sonnenhaus-Institut, Vorstandsmitglied des Solarverband Bayern und als Mitglied im Energiebeirat der Bayerischen Staatsregierung ehrenamtlich in diversen Fachgremien mit und kann davon regelmäßig berichten. Mitunter nachdrücklich musste er sich schon zu Wort melden, um überhaupt noch eine Berücksichtigung oder Erwähnung der Solarthermie zu erkämpfen.

Dabei ist gerade die Solarthermie in Verbindung mit Ihren Speichermöglichkeiten für Wärme perfekt geeignet, zur Lösung der sich ergebenden Herausforderungen einer vollständigen Energiewende in Bayern beizutragen. Durch mit der Solarthermie gekoppelten Wärmespeicher wird die Flexibilität des gesamten Energiesystems erhöht und der Stromsektor deutlich entlastet. Dadurch können sowohl die Gesamtinvestitionen in die Wärmewende, als auch die aufgezeigte zukünftige Abhängigkeit vom Ausland minimiert werden. Und das mit der technisch einfachsten Lösung, die nebenher bei der Errichtung und im Unterhalt den geringsten CO2 Fußabdruck aller erwähnten Technologien aufweist.

BUND veröffentlicht Studie 100% erneuerbare Energien für Bayern

Jetzt wurde eine vom BUND initiierte Studie veröffentlicht, die verschieden Szenarien aufzeigt, wie Bayern mit den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität in Zukunft zu 100% regenerativ werden kann. Lösungen dazu entwickelt das Sonnenhaus-Institut übrigens seit fast 20 Jahren, wenn es um den Heizbedarf von Gebäuden geht. In der Studie des BUND werden Lösungen für einzelne Gebäude oder im Rahmen von Quartierskonzepten skizziert. Umso erstaunlicher ist, dass die Solarthermie in der Studie praktisch nicht berücksichtigt wird. „Diese wissenschaftliche Energiestudie legt die Basis für konsequenten Klimaschutz durch ökologische Energiekonzepte auf allen Ebenen “, so Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz.

SHI: Solarthermie ist wichtiger Baustein der Erneuerbaren Energien

Die Intention der Studie wollen wir nicht bezweifeln, dennoch ist die Position des Sonnenhaus-Institut e.V. hierzu eindeutig, so erster Vorsitzender Georg Dasch: „Die Solarthermie ist die klassische Nutzungsform der Sonnenenergie. Sie ist technisch erprobt, bewährt, wirtschaftlich einsetzbar und erfordert keinen Einsatz seltener Rohstoffe. Wir werden eine weitgehend klimaneutrale Energieversorgung von Gebäuden in der Praxis erst um viele Jahre später erreichen, wenn wir jetzt nicht ALLE relevanten und praktisch verfügbaren Techniken dafür nutzen und kombinieren. Dass wir uns das unter dem momentanen Handlungs- und Erfolgsdruck nicht erlauben können, steht außer Zweifel.“

Ermutigendes Statement aus dem Bayerischen Wirtschaftsministerium

Ohne die Studie in irgend einer Form diskreditieren zu wollen, machte Bernd Kerscher am Tag nach ihrer Veröffentlichung auf diesen Zusammenhang aufmerksam. Die bislang einzige Reaktion kam aus dem Referat „Photovoltaik, Solarthermie, Windenergie“ des Bayerischen Wirtschaftsministerium, das wir hier gerne wörtlich zitieren möchten:

Sehr geehrter Herr Kerscher,
vielen Dank für Ihre Nachricht vom 12.05.2021 zum Thema Wärmewende…..
Bayern soll bis 2040 die Klimaneutralität erreichen. Um eine sektorenübergreifende Klimaneutralität zu erreichen, werden insbesondere in der Wärmeversorgung, die noch immer einen sehr großen Anteil am Bruttoendenergieverbrauch Bayerns hat, große Anstrengungen notwendig sein.

Mit der Solarthermie lässt sich ein großer Teil des Wärmebedarfs in privaten Haushalten mit geringen Investitionen decken. Die Technik ist sehr ausgereift und benötigt nur wenig Wartung. Allgemein lässt sich sagen, dass die solare Globalstrahlung in Bayern im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich ist, weshalb Bayern grundsätzlich ein sehr gut geeigneter Standort für Solarenergie ist.
Der jährliche Zubau von Solarthermie-Anlagen ging zwischen 2015 und 2019 deutschlandweit deutlich zurück. 2020 konnte beim Solarthermie-Zubau ein Turnaround erreicht werden, erstmals seit 9 Jahren wurden mehr Anlagen, sowie eine größere Kollektorfläche zugebaut. Auch das angepasste Förderprogramm der BAFA wird vom Markt sehr gut angenommen. So wurde bei der BAFA 2020 mehr als die dreifache Menge Förderanträge für Solarthermie-Anlagen als noch 2019 eingereicht.
Aktuell arbeiten wir außerdem an einer Informationskampagne zur Solarthermie. Neben Handwerkern und Bürgern, soll diese dabei auch an Kommunen adressiert werden, um insbesondere auch die Potentiale der Freiflächen-Solarthermie, mit der sich schon heute zu sehr niedrigen Preisen Wärme erzeugen lässt, möglichst schnell erschließen zu können.
Ich versichere Ihnen, dass das Staatsministerium für Wirtschaft, Energie und Landesentwicklung das Thema Solarthermie auf der Agenda hat und sich auch weiterhin für die Förderung dieser einsetzen wird.“

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