Leben im Sonnenhaus Folge 2:
Nach 20 Jahren der Zeit noch immer voraus

Das Naturpark-Informationshaus in Zwiesel war 2001 das erste öffentliche Nullenergiehaus Europas. Bildquelle: Sonnenhaus-Institut e.V.

„Arbeiten im Sonnenhaus“ könnte Folge 2 unserer Serie alternativ benannt werden, denn es geht heute um das Informationsgebäude des Naturpark Bayerischer Wald nahe Zwiesel.
Oder es könnte auch heißen „Leben und Arbeiten im Sonnenhaus“. Denn Arbeiten ist ja ein großer Teil des Lebens und es sind nicht nur die Mitarbeiter, die dieses Gebäude seit fast zwei Jahrzehnten schätzen, sondern es kommen täglich – sofern nicht gerade Pandemie herrscht – zahlreiche Besucher hierher, um sich über den Naturpark zu informieren.

Naturpark-Geschäftsführer Hartwig Löfflmann war Ende der 90er Jahre Initiator eines Neubaus. Er wünschte sich ein energieautarkes Gebäude und bekam es: ein Holzbau mit 760 Quadratmetern Nutzfläche. Der große Speicher mit 21 Kubikmeter Fassungsvermögen wird gespeist von einer 110 Quadratmeter großen Solarthermieanlage, die in die Fassade integriert ist.
Federführend bei der Planung und Konzeption waren Architekt Georg Dasch aus Straubing und Ingenieur Wolfgang Hilz aus Zwiesel, die beide dann 2004 bei der Gründung des Sonnenhaus-Institut e.V. dabei waren. Nach knapp zweijähriger Bauzeit wurde der Bau im Sommer 2001 fertiggestellt und im Februar 2002 unter Beisein von Bayerns damaligem Umweltminister Werner Schnappauf eröffnet. Das Naturpark-Informationshaus war das erste öffentliche Nullenergiehaus Europas.

In der Dämmerung heben sich die integrierten Kollektoren erkennbar ab. Bildquelle: Sonnenhaus-Institut e.V.

Durch den 80 Grad geneigten Kollektor können bei Sonnenhöchststand im Hochsommer etwa 60 Prozent des direkten Sonnenlichts genutzt werden, bei Sonnentiefstand im Dezember/Januar sind es 98 Prozent (jeweils Mittags). Das Energiekonzept basiert auf individuellen Berechnungen und Simulationen, die Wolfgang Hilz auf Basis langjährig ermittelter Wetterverhältnisse in Zwiesel erstellte.

Die Ergebnisse nach den ersten fünf Jahren Betriebszeit bestätigten das Konzept. Der Heizwärmeverbrauch betrug im Schnitt 8350 kWh / Jahr. Die Solarfassade erzeugte in diesem Zeitraum viermal so viel Energie, wie die Wandheizung des Gebäudes benötigte. Wie beabsichtigt wurden Überschüsse aus dem Pufferspeicher zur Beheizung des benachbarten Gebäudes (ein 150 m2-Besucherpavillion mit umlaufender Glasfassade aus dem Jahr 1973) genutzt. Auf diese Weise konnte jährlich ein Energiegehalt von rund 3.200 Liter Heizöl durch Sonnenwärme ersetzt werden.

Mit dem Einführen des Erneuerbare EnergienGesetzes (EEG) wurde die ursprüngliche 5-KWp-Photovoltaik-Anlage auf 20 KWp erweitert. Damit können etwa 150 Prozent des benötigten Stroms selbst erzeugt werden.

Anlagentechnik läuft seit 20 Jahren stabil

Noch heute ist Löfflmann hier Chef des Hauses und stolz darauf, dass alles prima funktioniert und den hohen Erwartungen gerecht wurde. Die Anlagentechnik läuft seit 20 Jahren stabil. Einzige kleine Ausnahme war der im Pufferspeicher integrierte Brauchwasserboiler. Er wurde mittlerweile durch eine Frischwasserstation ersetzt, eine Technik, die damals noch nicht verfügbar war.

Selbst 20 Jahre nach Planung und Bezug sei das Gebäude noch der Zeit weit voraus. Durch die konsequent ökologische Bau- und Betriebsweise dient es als Vorzeigeprojekt für Verwaltungs-und Funktionsgebäude ebenso wie für Wohnhäuser.
Fachbesuchergruppen aus aller Welt haben das Gebäude in den vergangenen zwei Jahrzehnten besucht. Sie kamen aus Georgien, Vietnam, Thailand, Afrika und der Mongolei.

Weitere Infos zum Download:
https://www.sonnenhaus-institut.de/wp-content/uploads/naturpark-informationshaus-94227.pdf

24.04.2021

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