Josef Jenni, Schweizer „Solarpionier“ und wohl bekanntestes Mitglied unseres Vereins feierte in diesem Monat das 50jährige Bestehen seiner Jenni Energietechnik AG. Jennis Werdegang, die Entwicklung seines Unternehmens aber vor allem sein Engagement für das Sonnenhaus-Prinzip waren auch prägend für unseren Verein. Unzählige Sonnenhäuser arbeiten mit einem von der Firma Jenni gebauten Solarspeicher, allein unter den Musterhäusern auf unserer Seite sind es Dutzende. Jennis Engagement, sein Pragmatismus und seine Überzeugungskraft lieferten immer wieder entscheidende Impulse für das Sonnenhaus-Institut e.V. Wir wollen mit einem Rückblick Josef Jennis Werdegang würdigen.
1989 baute der Diplom-Ingenieur mit seiner Jenni Energietechnik AG das erste vollumfänglich autark mit Sonnenenergie versorgte Wohnhaus Europas. 2007 folgte das erste vollständig solar-beheizte Mehrfamilienhaus Europas. Hierfür wurde die Jenni Energietechnik 2009 beim Energy Globe Award für die Schweiz mit dem National Award ausgezeichnet. Für sein Lebenswerk zugunsten der Solarenergie wurde Josef Jenni 2008 zudem vom Schweizer Bundesamt für Energie mit dem Preis Watt d’Or ausgezeichnet. (Foto: Jenni Energietechnik AG)
Frühe Jahre und Prägung
Die Anfänge: Jenni als Praktiker, der er bis heute geblieben ist. (Foto: Jenni Energietechnik AG)
Josef Jenni wurde 1953 im Schweizer Kanton Bern geboren. Aufgewachsen in ländlichen Verhältnissen, entwickelte er früh ein Gespür für praktische Zusammenhänge und technische Fragestellungen. Anders als viele klassische Unternehmer begann seine Laufbahn nicht mit einem großen Masterplan, sondern mit handwerklicher Neugier. Er absolvierte eine erste Ausbildung als Industrieelektroniker und danach als Heizungsinstallateur – ein Beruf, der ihn direkt mit den Themen Energieverbrauch, Effizienz und Ressourcennutzung konfrontierte.
Schon in den 1970er-Jahren, als die Ölkrisen die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern schmerzhaft offenlegten, begann Jenni, sich intensiver mit alternativen Energieformen zu beschäftigen. Während viele in dieser Zeit vor allem kurzfristige Lösungen suchten, stellte er eine grundlegendere Frage: Wie lässt sich Wärmeversorgung langfristig unabhängig und nachhaltig gestalten?
Die Entdeckung der Sonnenenergie
Die Antwort fand Jenni in der Sonnenenergie. Was damals noch als Nischenthema galt, faszinierte ihn zunehmend. Er erkannte, dass die Sonne – im Gegensatz zu Öl oder Gas – eine praktisch unerschöpfliche Energiequelle darstellt. Doch die technische Herausforderung lag darin, diese Energie nicht nur punktuell zu nutzen, sondern über längere Zeiträume zu speichern.
Diese Überlegung wurde zum Kern seines späteren Wirkens: Nicht die Gewinnung von Energie allein ist entscheidend, sondern ihre intelligente Speicherung und Nutzung. In den frühen 1980er-Jahren begann Jenni, eigene Systeme zu entwickeln und zu testen – oft mit einfachen Mitteln, aber großem Engagement.
Gründung von Jenni Energietechnik
Das Ehepaar Jenni (erste Reihe vorne links) mit Belegschaft heute (Foto: Jenni Energietechnik AG)
Mit Abschluss seines Studiums als Elektroingenieur folgte unmittelbar der Start als Unternehmer. Was 1976 als Ein-Mann-Betrieb begonnen hatte, mündete 1982 in die Gründung der Jenni Energietechnik AG in Oberburg. Der Fokus lag von Anfang an auf solarthermischen Anlagen, insbesondere auf großen Wärmespeichern. Während viele Anbieter auf kurzfristige Effizienzsteigerungen setzten, verfolgte Jenni einen radikaleren Ansatz: Häuser sollten so konzipiert werden, dass sie den Großteil ihres Wärmebedarfs aus Sonnenenergie decken können – auch im Winter.
Diese Idee war zu jener Zeit alles andere als Mainstream. Skepsis kam sowohl aus der Baubranche als auch aus der Energiepolitik. Kritiker bezweifelten, dass sich solch ein Konzept wirtschaftlich umsetzen ließe. Doch Jenni blieb konsequent.
Das Sonnenhaus-Prinzip
Josef Jennis Buch ist ein Standardwerk geworden und ist über uns erhältlich
Das von Jenni propagierte Sonnenhaus-Prinzip basiert auf einem vergleichsweise einfachen, aber wirkungsvollen Gedanken: Ein Gebäude wird so geplant, dass es mindestens 50 bis 70 Prozent seines jährlichen Wärmebedarfs durch Solarenergie deckt – oft sogar mehr. Herzstück ist ein großer, gut isolierter Wärmespeicher im Gebäudeinneren, der überschüssige Sonnenenergie aus den Sommermonaten speichert und im Winter wieder abgibt.
Im Gegensatz zu vielen konventionellen Energiesystemen setzt dieses Prinzip nicht primär auf maximale Dämmung oder komplexe Technik, sondern auf ein ausgewogenes Zusammenspiel aus:
• großzügig dimensionierten Solarkollektoren
• saisonalen Wärmespeichern
• intelligenter Gebäudearchitektur
• reduziertem, aber gezieltem Einsatz zusätzlicher Heizquellen
Jenni war überzeugt, dass echte Nachhaltigkeit nur dann erreicht werden kann, wenn Systeme robust, verständlich und langfristig tragfähig sind. Seine Häuser sollen nicht nur energieeffizient sein, sondern auch unabhängig von steigenden Energiepreisen funktionieren.
Der Durchbruch durch Praxisbeispiele
Eine PR-Aktion, die Wellen schlug: im Winter 1990 bewies Josef Jenni mit einer Badeparty im solar-beheizten Aussenpool das Potential seiner Konzepte. (Foto: Jenni Energietechnik AG)
Ein entscheidender Faktor für die Verbreitung seiner Ideen war, dass Jenni nicht nur theoretisierte, sondern konkrete Projekte realisierte. Bereits in den 1990er-Jahren entstanden erste Sonnenhäuser nach seinem Konzept. Diese dienten als Anschauungsobjekte und lieferten messbare Daten über Energieverbrauch und Einsparungen.
Besonders bekannt wurde ein Mehrfamilienhaus in Oberburg, das vollständig solar beheizt wird (lesen Sie dazu unseren Bericht ). Solche Projekte zeigten, dass das Sonnenhaus-Prinzip nicht nur im Einfamilienhausbereich funktioniert, sondern auch auf größere Gebäude übertragbar ist.
Mit jedem realisierten Bau wuchs die Aufmerksamkeit. Architekten, Ingenieure und Bauherren begannen, sich für die Idee zu interessieren. Gleichzeitig blieb Jenni seiner Linie treu: Er setzte nicht auf schnelle Expansion, sondern auf Qualität und Überzeugungsarbeit.
Widerstände und Überzeugungsarbeit
Trotz wachsender Anerkennung war dieser Weg keineswegs frei von Hindernissen. Besonders in der Anfangszeit musste Jenni gegen tief verwurzelte Denkmuster ankämpfen. Die Energieversorgung über fossile Brennstoffe war etabliert, günstig und technisch ausgereift. Solarenergie hingegen galt als unsicher und teuer.
Hinzu kam, dass das Sonnenhaus-Prinzip ein Umdenken erforderte – nicht nur technisch, sondern auch kulturell. Bauherren mussten bereit sein, in langfristige Lösungen zu investieren, statt kurzfristige Kosten zu optimieren.
Jenni begegnete diesen Herausforderungen mit einer Mischung aus Hartnäckigkeit und Pragmatismus. Er argumentierte nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich: Steigende Energiepreise und endliche Ressourcen würden seine Konzepte langfristig attraktiver machen. Diese Prognose hat sich in vielen Bereichen inzwischen bestätigt.
Internationale Ausstrahlung
Mit der Zeit fand das Sonnenhaus-Prinzip auch über die Schweiz hinaus Beachtung. Besonders in Deutschland und Österreich entstanden zahlreiche Projekte, die sich an Jennys Konzept orientierten. Der Begriff „Sonnenhaus“ wurde zu einem festen Bestandteil der nachhaltigen Architektur.
Dabei blieb Jenni selbst stets eng mit der Praxis verbunden. Er trat als Referent auf, beriet Bauprojekte und engagierte sich für die Weiterentwicklung solarthermischer Technologien. Sein Ansatz unterschied sich von vielen anderen Pionieren dadurch, dass er nicht auf spektakuläre Einzelinnovationen setzte, sondern auf die konsequente Umsetzung eines ganzheitlichen Systems.
Philosophie und Motivation
Gruppenbild des Vereinsvorstands mit Josef Jenni (4. v. links). Bei unseren Jahrestreffen und Workshops ist Josef stets ein gerne gesehener Gast und Referent. Foto: Sonnenhaus-Institut e.V.
Was Josef Jenni antreibt, ist mehr als technisches Interesse. Es ist eine klare Haltung gegenüber Ressourcen und Verantwortung. Für ihn ist Energie nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch der Ethik. Der verschwenderische Umgang mit fossilen Brennstoffen steht für ihn im Widerspruch zu einer nachhaltigen Lebensweise.
Seine Philosophie fasst er in einem einfachen Satz zusammen: Die Sonne liefert mehr Energie, als wir benötigen – wir müssen sie nur sinnvoll nutzen.
Dabei vermeidet er ideologische Zuspitzungen. Stattdessen setzt er auf nachvollziehbare Argumente und praktische Lösungen. Diese Bodenständigkeit hat wesentlich dazu beigetragen, dass seine Ideen Akzeptanz gefunden haben.
Bedeutung in der heutigen Zeit
Der grösste je im Hause Jenni gebaute Speicher verliess im März 2026 die Werkshallen: Ein echter Gigant mit 25×4,1 Metern, der für die Wärmerückgewinnung in der Industrie bestimmt ist. (Foto: Jenni Energietechnik AG)
Angesichts der aktuellen Diskussionen über Klimawandel, Energiekrisen und Versorgungssicherheit beweist Jennis Ansatz wieder seine Relevanz. Viele der Probleme, die heute intensiv diskutiert werden, hat er bereits vor Jahrzehnten erkannt.
Das Sonnenhaus-Prinzip bietet eine konkrete Möglichkeit, den Energieverbrauch von Gebäuden drastisch zu reduzieren und gleichzeitig die Abhängigkeit von externen Energiequellen zu verringern.
Wir danken unserem Firmenmitglied Jenni Energietechnik AG an dieser Stelle für jahrelange Mitgliedschaft und Unterstützung. Josef und seiner Familie wünschen wir noch viele Jahre Glück und unternehmerischen Erfolg auf dem Weg der solaren Energie.
