Flexibles Mehrgenerationenhaus mit Sonnenhaus-Heizung

Foto: Sonnenhaus-Institut / Herbert Bungartz

Wer ein Haus plant, wird auch einen Blick in die Zukunft werfen. Ist Nachwuchs geplant? Sollen die Eltern später mit einziehen? Soll mit einer Einliegerwohnung separater Wohnraum geschaffen werden? Oder soll das Haus irgendwann verkauft werden und dann möglichst viele potenzielle Käufer ansprechen? Eine gewisse Flexibilität und umsichtige Planung ist in jedem Fall sinnvoll.

Auch Familie Bruckmaier* hat ihre eigenen vier Wände vorausschauend geplant. Das Sonnenhaus in Moosburg an der Isar ist als flexibles Mehrgenerationenhaus konzipiert. Mit wenigen baulichen Veränderungen kann es von einem Einfamilienhaus, als welches es seit dem Bezug genutzt wird, in ein Zwei- oder Drei-Generationenhaus umgewandelt werden. Auch bei der Energieversorgung haben Katharina und Simon Bruckmaier* sich abgesichert. Mit einer 64 Quadratmeter großen Solarthermieanlage können sie im Schnitt 70 Prozent ihres Energiebedarfs für die Raumheizung und die Warmwasserversorgung solar decken. Das bewahrt sie vor stark steigenden Heizkosten und im Alter haben sie durch die Ersparnisse noch eine „zweite Rente“.

Seit acht Jahren (2011) lebt die dreiköpfige Familie in ihrem Eigenheim. Der Freisinger Architekt Bernd Kerscher hat es als „klassisches Sonnenhaus“ geplant, das mit einer Solarwärmeanlage und einem Holzkessel beheizt wird. „Wir wollten fossile Energieträger vermeiden“, erklärt Simon Bruckmaier die Entscheidung. Und die Vorstellung, klimaschonend mit Solarwärme und gespeicherter Sonnenenergie in Form von Holz zu heizen, gefiel ihm und seiner Frau auf Anhieb. Die Heizungstechnik wurde deshalb so geplant, dass die Bewohner mindestens 50 Prozent, im Idealfall bis zu 80 Prozent ihres Wärmebedarfs mit der Solarthermieanlage decken können.

Für Nutzung von Solarenergie optimiert

Dafür wurde das Gebäude mit circa 200 Quadratmeter Wohnfläche zunächst für die aktive und passive Nutzung der Solarenergie optimiert. Die Basis ist die Reduzierung des Heizenergiebedarfs. Dies wurde durch die Ausrichtung nach Süden, eine kompakte Bauweise mit massiven, hochwärmedämmenden Ziegeln sowie bodentiefe Fenster und Balkontüren auf der Südseite erreicht.

Zu dem Konzept gehört weiterhin ein unsymmetrisches Satteldach mit steilem Süd- und flachem Norddach. Durch den Neigungswinkel von 67 Grad können die darauf installierten Solarkollektoren im Winter bei tief stehender Sonne viel Sonnenwärme erzeugen. Die Wärme wird in einem Pufferspeicher mit 14.200 Liter Fassungsvermögen zwischengespeichert. In dem hohen, schmalen Tank wird das Wasser temperaturgeschichtet gespeichert und bei Bedarf entnommen. Die Wärme wird mit Wand- und Fußbodenheizungen im Gebäude verteilt. „Bei Bedarf könnten auf dem flach geneigten Norddach Photovoltaikmodule für die Stromerzeugung installiert werden“, sagt Architekt Kerscher.

Reicht die Solarwärme in den Übergangszeiten und im Winter nicht aus, heizt Familie Bruckmaier mit einem Holzscheitofen im Wohnzimmer nach. Der Ofen hat wasserseitig 25 Kilowatt Leistung und heizt damit direkt in den Pufferspeicher. Luftseitig hat er 4 bis 6 kW Leistung. So kann der Pufferspeicher schnell und effektiv nachgeheizt werden.

Foto: Sonnenhaus-Institut / Herbert Bungartz

In den acht Jahren im Sonnenhaus hat die Familie umfangreiche Nutzererfahrungen gesammelt. Der sogenannte solare Deckungsgrad für die Wärmeversorgung hat sich bei durchschnittlich 70 Prozent eingependelt (2016: 72%; 2017: 70%; 2018: 68%). Damit liegt er im oberen Bereich des prognostizierten Wertes. Für die Nachheizung mit dem Kaminofen benötigt die Familie zwischen 5 und 8 Ster Holz im Winter.

Reparaturen gab es keine und auch der Wartungsaufwand ist überschaubar. Nach der ersten Heizperiode gab es eine Nachjustierung der Steuerung und der Programmierung, wie es aber auch bei anderen Heizungsarten häufig der Fall ist. Der Pufferspeicher muss etwa alle zwei Jahre entlüftet werden. Wann es wieder Zeit ist, merkt Bruckmaier an der Temperatur des Wassers.

Den Druck im Speicher überprüft er regelmäßig. Wenn der Druck von 3 bar abweicht, ruft er einen Handwerker. Der Kaminkehrer kommt laut Vorschrift zwei Mal im Jahr, einmal vor und einmal nach der Heizperiode. Temperatureinstellungen kann Bruckmaier mit dem Programm selber ändern. Der Speicher erreicht eine Temperatur bis 95 Grad. Im Sommer ist die Temperatur niedriger. Dann heizt sich der Puffer tagsüber auf und kühlt in der Nacht wieder ab.

Mit der Sonnenhaus-Heizung und dem Wohnkomfort ist die Familie rundum zufrieden. „Es läuft gut“, sagt Simon Bruckmaier. Von der Option des Mehrfamilienhauses haben sie bisher noch keinen Gebrauch gemacht, es ist im Moment auch nicht geplant. Falls sie es doch einmal wollten – sei es für die eigene Nutzung oder für den Verkauf -, wäre der Aufwand überschaubar. „Im Treppenhaus müssten drei Türen versetzt werden und für die Nachheizung wäre die Nachrüstung einer Pelletheizung sinnvoll, da sonst der Nutzer des Erdgeschosses mit dem Holzofen alleine nachheizen müsste“, sagt Bernd Kerscher. Im Moment genießt die Familie es, viel Platz zu haben. Und sie freuen sich über ihr klimaschonendes Energiekonzept. „Ich würde wieder so bauen“, zieht Simon Bruckmaier Bilanz.
* Namen geändert

Weitere Informationen:
https://www.sonnenhaus-institut.de/guenstig-heizen-mediathek/stadt-moosburg-bietet-baugrundstuecke-fuer-sonnenhaeuser-an.html

Website-Text, 03.06.2019

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