Solarthermie ist keine zweitrangige Hilfstechnik

Unsere jüngste Presseaktion gegen Desinformation in puncto Solarthermie ist in den Medien durchaus auf Aufmerksamkeit gestossen. Der energate-messenger hat uns um einen Gastkommentar gebeten, der dort heute veröffentlicht wurde. Den Text unseres 1.Vorsitzenden Georg Dasch können Sie auch hier lesen:

Ohne Solarthermie würde es unsere klassischen Sonnenhäuser nicht geben, die ihren Bewohnern seit Jahren Freude bereiten mit unkomplizierter Technik und extrem niedrigen Verbrauchskosten. Heute mehr als je zuvor!
Wenn in den Medien Texte die Runde machen wie „Sechs Fakten, die Sie über Solarthermieanlagen wissen sollten“, dann ärgern wir uns: „Nur zehn bis 25 Prozent der Heizwärme kann eine durchschnittliche Anlage in einem gut isolierten Haus erzeugen“, so eine der enttäuschend klingenden Kernaussagen.
Man fragt sich: Wer definiert denn, was eine „durchschnittliche Anlage“ ist und woher kommen diese Leistungswerte? Werden so magere Zahlen einen Leser von der Solarthermie überzeugen? Eher nicht!
Vor allem: wird ein Verbraucher ohne Hintergrundwissen verstehen, dass hier seltsamer Weise nur von der „Heizwärme“, also nicht vom Gesamtwärmebedarf eines Gebäudes die Rede ist? Hätte die angeblich richtungsweisende Faktensammlung den Energiebedarf für die Erwärmung des Trinkwassers angemessen mitberücksichtigt, würde die Performance der Solarthermie sofort in völlig anderem Licht erscheinen. Was also: Halbwissen, Halbinformation, Halbwahrheit?

Kompetente, neutrale Infos sind Mangelware

In der veröffentlichten Meinung fällt immer mehr auf, dass die Solarthermie auf verschiedenste Weise in den Schatten der PV gestellt wird. Natürlich ist PV kommerziell gesehen schon sehr lange der wesentlich stärkere Zweig in der Solarindustrie. Dennoch gibt und gäbe es in vielen Fällen gute Gründe, um in Solarthermie zu investieren. Und entscheiden sollte das der Bauherr immer selbst aufgrund ungefärbter und kompetenter Information, woran leider Mangel herrscht.

„Solarpflicht“ oder „PV-Pflicht“?

Auch bei den Regularien der „Solarpflicht“, die sich die meisten Bundesländer nun im Bausektor sukzessive auferlegen, wird eine Schieflage sichtbar. Oft ist von vorneherein nur von einer „PV-Pflicht“ zu lesen. Weit hinten im Text erfährt man dann beispielsweise, dass die Pflicht auch „ersatzweise“ durch die Errichtung einer Solarthermie-Anlage erfüllt werden kann.
Das kann in der Wahrnehmung der Verbraucher nicht ohne Wirkung bleiben: weil es suggeriert, Solarthermie sei bestenfalls noch zweitrangige Hilfstechnik. Man darf vermuten, dass der Einfluss der PV-Lobby hier beim auch nicht allwissenden Gesetzgeber voll durchgeschlagen hat.

Eine wichtige Karte, die die Politik nicht ausspielt

Auch wenn die Solarthermie früher erfunden wurde als PV, ist sie nicht etwa der Vorgänger oder die „alte“ Technik, die jetzt sukzessive durch die „Neue“ oder vermeintlich „Bessere“ ersetzt wird. Die Details machen den Unterschied und entscheiden über den sinnvollen Einsatz: mit ST lässt sich Wärme unmittelbar an Gebäuden gewinnen und nutzen. Die Technik ist einfach und langlebig. Ein thermischer Kollektor kann eine Lebensdauer von vier Jahrzehnten erreichen, also 40 Jahre seinen Dienst tun.
Ein Wasserwärmespeicher ist sogar unendlich zyklenfest und verliert im Laufe seiner Nutzung keine Kapazität. Solarthermie kann sowohl die Jahresarbeitszahl als auch die Lebensdauer von Wärmepumpen deutlich steigern. Die ST ist eine wichtige Karte, um unsere Stromnetze zu entlasten, indem sie Gebäude thermisch direkt versorgt. Sie wird nur leider von der Politik nicht gespielt.

Unnötige Verunsicherung des Verbrauchers

In Kombination mit dem von Politik und Wirtschaft mittlerweile ausgerufenen Run auf die Wärmepumpe ergibt sich nun ein Szenario des finalen Siegeszuges der PV, vor dem die Solarthermie einen schweren Stand in der öffentlichen Wahrnehmung hat. Wir vom Sonnenhaus-Institut mit unserem erklärten Motto „Wärme, Strom, Mobilität“ wissen aber, dass es gute Argumente für beide gibt, die im Einzelfall nach Sachlage abgewogen werden müssen.
Schon vor vielen Jahren entwickelten unsere Mitglieder das Sonnenhaus mit PV und Wärmepumpe, das seitdem neben dem „klassischen“ Sonnenhaus mit Solarthermie steht (ohne dass es deswegen einen Richtungsstreit gäbe). Der Gegensatz von PV und Solarthermie führt zu unnötigen Diskussionen und Verunsicherung beim Verbraucher.
Besser wäre eine fachliche fundierte Beratung für das einzelne Objekt. Beide Technologien können einen wertvollen Beitrag zur Energiewende leisten, und dabei den Geldbeutel des Verbrauchers schonen.

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