Bautagebuch: Wenn der Traum vom Sonnenhaus in Erfüllung geht

In München baut Familie Piasentin ein Sonnenhaus mit Effizienzhaus Standard KfW 40 Plus – Die großen Solarwärme- und Solarstromanlagen mit den entsprechenden Energiespeichern schaffen Unabhängigkeit vom Energieversorger und reduzieren die Energiekosten auf ein Minimum.

Micha Piasentin mit Architekt Thomas Dirschedl Foto: Sonnenhaus-Institut

Manche Wünsche setzen sich früh im Kopf fest und brauchen viele Jahre, bis sie Realität werden, manchmal sogar Jahrzehnte. So war es auch bei Micha Piasentin, Bauherr im Münchner Stadtteil Berg am Laim. „Schon als Jugendlicher sind mir in südlichen Ländern die schwarz gestrichenen Behälter aufgefallen, mit denen auf den Häusern Wärme produziert wird“, erzählt der heute 46-Jährige. In einer Weiterbildung zum Energieberater im Jahr 2006 festigte sich der Wunsch nach Autarkie durch Sonnenenergie. Vor zwei Jahren stieß er mehr zufällig auf das Bau- und Energiekonzept, das seinem Traum am nächsten kam. Sein ehemaliger Kommilitone Andreas Schuster erzählte ihm von Sonnenhäusern, bei denen Solaranlagen den Großteil der Energie für Wärme und Strom erzeugen. „Genau das will ich“, wusste Piasentin in dem Moment. In diesem Jahr ist es nun soweit: Micha Piasentin baut ein Sonnenhaus für seine fünfköpfige Familie. Mit der Kombination Sonnenhaus und „KfW Effizienzhaus 40 Plus“ ist er ganz auf der Höhe der Zeit.

Die Baugenehmigung für das Einfamilienhaus mit dem 45 Grad steilen Solardach zu bekommen, war kein Problem. Auf dem Bauplatz stand vorher das Haus der Großeltern von Piasentin. Errichtet im Jahr 1938, hatte es, ebenso wie die Nachbarhäuser, sogar noch steilere Dächer. Jetzt wird die nach Süd-West gerichtete Fläche aber komplett mit Solarkollektoren und Solarstrommodulen bestückt. „Das war mein Grundgedanke: Die Sonne brennt auf das Dach und wird nicht genutzt. Was für ein Jammer! Bei uns wird das anders sein“, so der Bauherr.

Für die Wärmeversorgung werden 36 Quadratmeter Solarkollektoren installiert. Wärme, die gerade nicht für die Raumheizung und das Dusch- und Trinkwasser benötigt wird, kann im Solarwärmespeicher mit 7.260 Kubikmeter Fassungsvermögen zwischengespeichert werden. Rund 70 Prozent des Wärmebedarfs in dem Wohnhaus mit 190 Quadratmeter Wohnfläche sollen mit der Solarthermieanlage erzeugt werden. Für die Nachheizung in den sonnenarmen Wintermonaten wird ein Holzvergaserkessel mit 25 Kilowatt Leistung eingebaut.

Auch für die Stromversorgung auf dem Dach ist Platz. Die 30 Quadratmeter Photovoltaikmodule haben das gleiche Raster wie die Kollektoren, so dass eine harmonische Optik gegeben ist. Für die Zwischenspeicherung des Stroms hat Piasentin sich für einen Lithium-Ionen-Speicher entschieden.

Anspruchsvoller Standard „KfW Effizienzhaus 40 Plus“

Der Entwässerungskanal wird angelegt. Foto: Thomas Dirschedl

Ein „KfW Effizienzhaus 40 Plus“ benötigt wie das „KfW Effizienzhaus 40“ nur 40 Prozent der Energie des Referenzhauses. Allerdings muss es noch ein „Plus Paket“ für die Stromversorgung und die Belüftung haben, um die entsprechende KfW-Förderung zu bekommen. Konkret sind dies eine Strom erzeugende Anlage auf Basis erneuerbarer Energien, ein stationäres Batteriespeichersystem, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sowie ein Monitoringsystem für die Stromerzeugung und den Stromverbrauch mit einer einfach zu bedienenden Benutzeroberfläche. Bei dem Bauprojekt in München ist alles gegeben.

KfW 40 Plus ist das i-Tüpfelchen“, sagt Thomas Dirschedl, Architekt aus Regensburg, der auf Sonnenhäuser spezialisiert ist und auch dieses Haus geplant hat.

Das Erdgeschoss wird gemauert. Ausgespart bleibt die Haustür. Foto: Thomas Dirschedl

Das Erreichen des KfW-Effizienzhaus 40 Plus Standards setzt eine hochwertige Bauweise voraus. Dabei ist eine detaillierte Wärmebrückenberechnung äußerst hilfreich.“ Piasentin erklärt seine Entscheidung für den anspruchsvollen Standard so: „Die größtmögliche Autarkie ist für mich das A und O.“ Die wollte er sowohl für die Wärme- als auch für die Stromversorgung haben.

Seit November herrscht auf der Baustelle Hochbetrieb. Am 15. November wurde das alte Haus abgerissen. Am 27. November wurde die Bodenplatte gegossen. Am 18. Dezember wurde die Baugrube ausgefüllt, einen Tag später mauerten die Bauleute die erste Steinreihe. Nach der Weihnachtspause ging es im Januar weiter. Mitte Januar war das Erdgeschoss gemauert, am 31. Januar wird der Wärmespeicher aufgestellt. Er kommt direkt aus der Schweiz, von dem renommierten Speicherhersteller Jenni Energietechnik.

Fortsetzung folgt… nach der Speichersetzung.

Bautagebuch Teil 1, 24. Januar 2018

Daten und Fakten:

• Sonnenhaus geplant im Effizienzhaus 40 plus Standard (mit detaillierter Wärmebrückenberechnung)
• 190 m² Wohnfläche, 104 m² Nutzfläche
• Wohnhaus für Familie mit drei Kindern

• 36,5er Poroton T7 Außenwand, U-Wert = 0,18 W/m²K
• Kellerwände Stahlbeton, weiße Wanne mit 16 cm Dämmung; U-Wert =0,20 W/m²K
• Fundamentplatte mit 16 cm Untersohlendämmung, U-Wert = 0,15 W/m²K
• Satteldach 45° mit Südwestausrichtung; Vollsparrendämmung d = 26 cm WLG 032 plus 10 cm   Untersparrendämmung WLG 038, U-Wert = 0,11 W/m²K
• Fenster mit 3-fach Verglasung, U-Wert = 0,8 W/m²K

Solarthermie:
36 m² SST Sonnenkollektoren
Solarspeicher 7.260 l h = 5.200 mm, Ø 1800 mm inkl. Dämmung

Nachheizung:
Holzvergaserkessel POWALL OFKA 25 kW
Gasanschluss vorgesehen

Photovoltaik:
30 m² = 20 Stück SST PV-Module a 250 Wp = 5,00 kWp
Stromspeicher (Fabrikat steht noch nicht fest)

Lüftungsanlage:
Zentrale Lüftungsanlage von Zehnder mit Wärmerückgewinnung

Architekt: Thomas Dirschedl www.sonnenhauskonzept.de
Planung und Installation Sonnenhaus-Technik: Schuster Gebäudetechnik www.schustergebaeudetechnik.de
Solarsystem: SST Solar www.sst-solar.de
Wärmespeicher: Jenni Energietechnik www.jenni.ch

Merkblatt KfW Energieeffizient Bauen (153):
https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/F%C3%B6rderprogramme-(Inlandsf%C3%B6rderung)/PDF-Dokumente/6000003465_M_153_EEB_TMA.PDF

 

 

 

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