Energiewende in Oberbayern – 200 Euro Heizkosten pro Jahr Ein Tank voll Sonnenwärme deckt 60 Prozent des jährlichen Wärmebedarf

15.11.2012

Die Anhebungen der Gaspreise sind in vollem Gange. Pünktlich zu Beginn der Heizsaison erhöhen über 170 Gasversorger ihre Preise. Mehr als neun Millionen Haushalte sind betroffen. Im Durchschnitt wird deren Rechnung bis zu 12 Prozent höher ausfallen. Wohl dem, der sich um die Kosten für Heizung und Warmwasser keine Gedanken zu machen braucht. Diese Unabhängigkeit genießen bereits seit dem vergangenen Jahr die Bewohner eines Sonnenhauses in Bruckmühl, indem sie den kostenfreien Rohstoff Sonne zum Heizen nutzen.

Das Haus ist nach den Kriterien des Sonnenhaus-Instituts konzipiert und deckt seinen Jahreswärmebedarf für Heizung und Warmwasser zu rund 60 Prozent direkt mit solarer Wärme. Für den restlichen Heizbedarf kommt der heimische Rohstoff Holz zum Einsatz. Selbst in den kühleren Herbstmonaten kann sich die Energiebilanz sehen lassen: Allein im Oktober heizt die Sonne den Solartank auf durchschnittlich 85°C. Diese Temperatur ist ausreichend, um die rund 180 Quadratmeter Wohnfläche bis tief in den November hinein mit Wärme für Heizung und Frischwasser zu versorgen.

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Bildquelle: Solarbau Thaele

Das Sonnenhaus in Bruckmühl sammelt die Sonnenwärme über eine 34 Quadratmeter große Fassaden-Kollektorfläche. Ein 6,3 Kubikmeter fassender, mehrstufiger Kombispeicher lagert sie ein und gibt die Wärme bei Bedarf über eine Fußbodenheizung individuell regelbar an die Räume ab. In den sonnenärmsten Monaten liefert den Bewohnern ein 25 kWh Stückholzofen die notwendige Energie. 80 Prozent seiner Leistung gibt dieser Ofen direkt an den Solartank. Ausschließlich regenerative Energiequellen sorgen so rund ums Jahr für behaglichen Wohnkomfort und machen die Bewohner unabhängig von der Kostenentwicklung bei Öl und Gas.

Dass es sich bei dem Heizen mit Solarthermie nicht um graue Theorie handelt, können die Bewohner bestätigen: Einen Winter verbrachten sie bereits in ihrem Sonnenhaus und stellten fest, dass sich die Prognosen und Erwartungen mehr als erfüllten: Die Simulation berechnete zunächst für die 34 Quadratmeter große Kollektorfläche in Kombination mit dem 6,3 Kubikmeter Pufferspeicher einen solaren Deckungsgrad von 54 Prozent und lag damit unter den tatsächlich erreichten 60 Prozent. Für die Zusatzheizung liegen die Berechnungen bei 3 bis 4 Raummetern pro Jahr. Konkret bedeutet dies für die Bewohner etwa 200 Euro Heizkosten pro Jahr. Damit heizen sie das ganze Haus auf komfortable und behagliche 23°C Wohntemperatur.

Seit August 2012 kommt Bauherren von Mehrfamilienhäusern (ab drei Wohneinheiten) über diese Einsparungen hinaus eine Förderung durch das so genannte Marktanreizprogramm zugute. „Insbesondere die Erhöhung der förderfähigen Kollektorfläche auf eine Größe von bis zu 100m², statt der bisherigen Obergrenze von 40m², wirkt sich positiv für Sonnenhäuser aus“, erläutert Peter Rubeck, Geschäftsführer des Sonnenhaus-Instituts. „So werden zukünftig solche Häuser noch interessanter, die Sonnenwärme nicht nur für die Bereitung von Warmwasser, sondern darüber hinaus auch zum Heizen nutzen möchten und daher eine größere Kollektorfläche benötigen.“

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