Wirtschaftliches Konzept: Ein Euro Heizkosten pro Quadratmeter – Neues Sonnenhaus in Hamburg zeigt Möglichkeiten des solaren Bauens in Norddeutschland

15.10.2009

Sonnenhaus-Institut – Presse   Pressemitteilung

Straubing, Hamburg. Im Stadtteil Hamburg Lokstedt entsteht zur Zeit ein neues,
nach den Kriterien des Sonnenhaus-Instituts geplantes Einfamilien-Sonnenhaus.
Dipl.-Ing. Ingo Stöver, IBS Engineering, passt die erprobten Standards des Sonnenhaus-Instituts
an dortige Verhältnisse an und schafft ein Haus, das den von der Energieeinspar-Verordnung
festgelegten Primärenergiebedarf für Neubaustandards um 89 Prozent unterschreitet.

Sonnenhaus von Bettina und Dr. Thomas Sayer Bildrechte: Dipl.-Ing. Ingo Stöver, IBS Engineering

39 m Kollektorfläche an der Südseite des Einfamilienhauses erreichen einen solaren Jahres-Gesamt-Deckungsgrad von 75% für Heizung und Warmwasser. Ein 15kW Kaminofen mit Wassertasche ergänzt das thermische Solardach. Die jährlichen Heizkosten sind mit nur einem Euro pro Quadratmeter vernachlässigbar. Diese Zahlen belegen eindrucksvoll die hohe Wirtschaftlichkeit des Sonnenhaus-Konzeptes.

Allein nach den Plänen Stövers entstehen derzeit im Norden Deutschlands insgesamt drei Sonnenhäuser, drei weitere sind bereits in Planung. Andere Mitglieder des Sonnenhaus-Instituts bauen in Norddeutschland in diesem Jahr insgesamt 28 Sonnenhäuser. Diese Entwicklung widerspricht den üblichen Vorurteilen, dass solares Bauen lediglich im Süden der Republik sinnvoll und machbar ist. Zwar belegen Statistiken, dass Freiburg ca. 10 Prozent mehr Sonnenstunden aufweist als nördliche Städte. Diese geringeren Einstrahlungswerte einerseits kompensiert eine entsprechend größere Kollektorfläche. Andererseits wirken sich die im Norden deutlich milderen Winter positiv auf den Nachheizbedarf aus.

Vollkommen überzeugt von dem Konzept des Sonnenhaus-Instituts sind Bettina und Dr. Thomas Sayer, die seit 2008 das nördlichste Sonnenhaus Deutschlands bewohnen. Ihre beiden nebeneinander stehenden Häuser in Büsum – ein Wohnhaus und ein Haus mit 3 Wohnungen sind mit einer Kollektorfläche von zusammen 70 qm ausgerüstet. Für die Tage, an denen die Kraft der Sonne nicht ausreicht, springt ein Pelletkessel ein. „Die Entscheidung hat sich gelohnt“, resümieren Sayers. „Wir wurden rundum gut beraten und erleben nun, was wir uns gewünscht haben: Einerseits, das ökologisch Richtige und Sinnvolle zu tun und gleichzeitig auch wirtschaftlich die beste Wahl getroffen zu haben, denn: Ein Sonnenhaus zu bewohnen bedeutet die Kunst des intelligenten Verschwendens.“

Für Stöver ist das Konzept des Sonnenhaus-Instituts eine konsequente und durchdachte Nutzung der kostenlosen Sonnenenergie und der heimischen Biomasse. Die zahlreichen neuen Sonnenhäuser überall in Deutschland zeigen, dass die Analysen und praxisnahen Entwicklungen des Sonnenhaus-Instituts tragen und zu einem einsatz- und anpassungsfähigen Konzept gediehen sind

Das Sonnenhaus – Ein ausgereiftes Konzept

Als Sonnenhaus bezeichnen die Begründer des Sonnenhaus-Instituts ein Gebäude, in dem die Sonne wenigsten 50% des Jahreswärmebedarfs deckt. Prägende Merkmale eines solchen Hauses sind das steil geneigte, nach Süden ausgerichtete Dach, auf dem Kollektoren die Sonnenstrahlung aufnehmen. Der große Puffer speichert die Wärmeenergie mit Hilfe von Wasser über mehrere Tage oder Wochen. Eine Flächenheizung in Wand oder Fußboden gibt die Wärme gleichmäßig an die Räume weiter. Für die kältesten und sonnenärmsten Wintertage bedarf es einer Zusatzheizquelle. Das Sonnenhaus setzt auf Biomasse-Heizungen zum Beispiel in Form eines Holzofens, der durch CO2-neutrale Verbrennung den Pufferspeicher nachheizt.

Das Sonnenhaus-Institut:

Das Sonnenhaus-Institut e.V. mit Sitz in Straubing wurde 2004 von Architekten und Ingenieuren aus der Solarbranche gegründet. Sein Ziel sind die Weiterentwicklung und Verbreitung des Bau- und Heizkonzeptes für weitgehend solar beheizte Häuser sowie der Ausbau des Instituts zu einem umfassenden Kompetenznetzwerk. Zur Tätigkeit des Institutes zählen die Erfassung und Auswertung von Sonnenhaus-Daten, die praxisnahe Weiterentwicklung des Sonnenhaus-Konzeptes, die Öffentlichkeitsarbeit für solares Bauen und Heizen, sowie die Schulung und Beratung von Architekten, Planern, Handwerkern und Bauherren. Von 2004 bis 2009 entstanden mehr als 300 Häuser nach den Kriterien des Kompetenznetzwerks.

 

 

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