Naturpark-Informationshaus im Bayerischen Wald drei Jahre in Betrieb

28.02.2005

Erstes öffentliches ganzjährig solar beheiztes Gebäude Europas reduziert Energieverbrauch auf ein Minimum

Die Fischotter wollte er retten, einen Vorreiter für solares Heizen in ganz Europa hat er geschaffen, Hartwig Löfflmann, Bildungsreferent und Geschäftsführer des Naturpark-Informationshauses in Zwiesel im Bayerischen Wald. Durch ein ausgefeiltes solares Bau- und Heizsystem beträgt der Energieverbrauch nur rund 12 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Dies ist ein Zehntel des derzeit vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Maximalverbrauchs von 100 bis 120 kWh/qm und Jahr bei Neubauten. Die benötigte Energie für Heizung und Warmwasser wird ausschließlich durch emissionsfreie Solarenergie bereitgestellt.

„Hier im Bayerischen Wald können wir hautnah mitverfolgen, wie die Luftverschmutzung Flora und Fauna zerstört“, berichtet Löfflmann. „Wegen des sauren Regens leben in vielen Bächen keine Fischnährtiere mehr. Dadurch sterben die Fische aus, das wiederum hat Folgen für Fischotter, Flussperlmuscheln und zahlreiche andere Arten. Die Liste der vernetzten Probleme ist lang“, betont der Umweltschützer aus Überzeugung und nennt weitere Gründe für das energiesparende Baukonzept. „Öl und Erdgas sind viel zu kostbar, um verheizt zu werden. Da wollten wir beweisen, dass es auch in einer Region mit sehr rauem Klima möglich ist, rund ums Jahr nur mit der Sonne zu heizen. Außerdem dient es der Wertschöpfung in der Region“. Das Holzhaus mit 763 Quadratmeter Nutzfläche auf zwei Etagen wurde überwiegend mit nachwachsenden Rohstoffen aus der Region errichtet. Als eine der waldreichsten Landkreise Deutschlands bot der Bayerische Wald hierfür optimale Voraussetzungen. Auch die Sonnenkollektoren wurden regional gefertigt. Durch die Zusammenarbeit mit lokalen Handwerksbetrieben konnte die heimische Wirtschaft gestärkt werden.

Um einen möglichst hohen Anteil der Heizenergie solar zu decken, mussten zwei Voraussetzungen gegeben sein: eine konsequente Ausrichtung des Gebäudes nach Süden und eine sehr gute Wärmedämmung. Auf der freien Fläche direkt an der Landstraße war die Orientierung nach Süden kein Problem, beim Wandaufbau wurde strikt auf eine gründliche Wärmedämmung geachtet. Hierzu trug auch die Holzständerbauweise bei, die nicht nur sehr gute Dämmwerte bietet, sondern den Bau auch beschleunigt. Bei Fensterflächen und Türen sind die Energieverluste auf ein Minimum reduziert. „Nur rund 9.400 Kilowattstunden beträgt der Wärmeenergiebedarf pro Jahr in dem Gebäude“, weiß Geschäftsführer Löfflmann heute aus Erfahrung. „Würden wir mit Öl heizen, bräuchten wir nur rund 1.200 Liter im Jahr.“ Auch wenn dies bereits wenig ist, im Naturparkhaus geschieht die Wärmeversorgung noch Ressourcen schonender. 110 Quadratmeter Sonnenkollektoren an einer 80 Grad steil geneigten Fassade sorgen auch im tiefsten Winter für Wärme. Diese wird in einem Pufferspeicher mit 21.000 Liter Fassungsvermögen vorgehalten. Der leuchtend rote Solartank erfüllt nicht nur eine praktische Funktion, sondern dient auch als „Hingucker“. Als Herzstück des Infozentrums thront er hier genau in der Mitte, um ihn herum schlängelt sich die Treppe in das erste Obergeschoss.

Von der umsichtigen Planung zeugen auch zahlreiche Details in dem Gebäude. Die Beleuchtung ist sensorgesteuert, die Urinale auf den Herrentoiletten funktionieren auch ohne Wasser. Das Lüftungsgerät wird durch einen Kohlendioxidsensor bedarfsgerecht gesteuert. Eine Besonderheit ist auch der Erdkollektor, der vor dem Gebäude im Erdboden installiert wurde. Das Lüftungsgerät im Keller kann dadurch im Winter die bereits auf Erdtemperatur vorgewärmte Außenluft ansaugen und benötigt so weniger Strom. Im Sommer kühlen die fünf Kunststoffrohre, die zwei Meter tief im Erdboden liegen, die Außenluft ab. Mit 17.000 kWh pro Jahr liegt der Stromverbrauch des Gebäudes vergleichsweise niedrig. Etwa 50 Prozent davon werden mit einer Solarstromanlage mit 10 kWp Spitzenleistung gedeckt.

Das Naturpark-Informationshaus wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mitfinanziert und 2002 mit dem Bayerischen Energiepreis ausgezeichnet. Als Musterbeispiel für Klima schonendes Bauen hat es Gäste aus aller Welt angezogen, darunter österreichische Holzfirmen und Schweizer Professoren, chinesische Forstleute, sowie Gruppen aus Weißrussland, Polen, Rumänien und Papa-Neuguinea. Aber auch in der Region ist sein Einfluss nicht zu übersehen: Zahlreiche Ein- und Zweifamilienhäuser mit hohen solaren Deckungsgraden, so genannte Sonnenhäuser, sind in den vergangenen Jahren nach seinem Beispiel entstanden.

Das Naturpark-Informationshaus bietet naturkundliche Ausstellungen für Familien, Schulklassen und andere Interessierte. Es ist von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 9.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.naturpark-bayer-wald.de oder telefonisch unter 0 99 22 / 80 24 80.

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