„Produktiv und wichtig“ –
Sonnenhaus-Institut auf Solar-Tour mit Bundestagsabgeordneten
Straubing, 4. Mai 2005. Zu einer Informationsreise zum Thema Solartechnik in Theorie und Praxis hatte das Straubinger Sonnenhaus-Institut e.V. Bundestagsabgeordnete der AG Umwelt der SPD am 28./29. April nach Baden-Württemberg eingeladen. Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ulrike Mehl, Horst Kubatschka und Marco Bülow nutzen die Gelegenheit, sich auf der „Solar-Tour“ insbesondere über solares Heizen und Solarstrom zu informieren.

Der Solarspaziergang durch das Solardorf Rottenburg-Oberndorf war eine Station der Solar-Tour am 28./29. April.
Foto von links nach rechts:
- Andreas Schuster, Sonnenhaus-Institut
- Volker Uphoff, Solarthemen
- Horst Kubatschka, MdB Wahlkreis Landshut-Kehlheim
- Thomas Hartmann, Sonnenhaus-Institut
- Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, MdB und Vorsitzender des Umweltausschusses, Mitglied des Club of Rome
- Georg Dasch, 1. Vorsitzender Sonnenhaus-Institut
- Ulrike Mehl, MdB Wahlkreis Rendsburg-Eckernförde und Leiterin der AG Umwelt
- Herta Däubler-Gmelin, MdB Wahlkreis Tübingen
- Marco Bülow, MdB Wahlkreis Dortmund
- Gisela Diergardt, Sonnenhaus-Bewohnerin Straubing
- Thomas Dirschedl, Sonnenhaus-Institut
Die Exkursion führte vom Solarspaziergang in Rottenburg-Oberndorf über den Besuch eines weitgehend solar beheizten Sonnenhauses in die Solar-Fabrik nach Freiburg. Auf der Informationsveranstaltung mit der SPD Freiburg am Donnerstagabend betonte Marco Bülow, Berichterstatter der Bundestagsfraktion für erneuerbare Energien: „Nachhaltigkeit ist das vielleicht anspruchsvollste Politikkonzept. Global ist der Klimaschutz die wohl wichtigste Aufgabe.“ Gleichzeitig stellte er fest, dass man sich bisher zu sehr auf den Strom konzentriert hätte, der Großteil des Energiebedarfs jedoch im Wärmebereich anfalle und man sich daher nun stärker darauf konzentrieren müsse.
„Große Schritte machen“
Solararchitekt Georg Dasch erinnerte daran, dass trotz Ausbaus der regenerativen Energietechniken der Stromverbrauch in den vergangenen zehn Jahren angestiegen sei. „Wir müssen große Schritte machen, wenn wir den Klimawandel aufhalten wollen“, betonte er. Eine verbesserte Energieeffizienz und die stärkere Nutzung der Solarwärmetechnik im Wohnungsbau und bei Altbausanierungen seien wesentliche Schritte, um den Gesamtenergieverbrauch zu reduzieren. „Bei einer richtigen Ausrichtung und Neigung können Solarwärmeanlagen im Winter bis zu 100 Prozent des Energiebedarfs für Heizung und Warmwasser decken“, erläuterte Georg Dasch anhand von Beispielen. Durch die ausgereifte Technik könne Solarwärme über Tage und Wochen gespeichert werden. Solarwärme werde außerdem dann produziert und abgegeben, wenn sie benötigt wird. Die Anlagen besäßen damit einen deutlich höheren Wirkungsgrad als andere regenerative Energietechniken. Dasch appellierte, das Heizen mit der Sonne dem Heizen mit Strom, sei es fossil oder regenerativ erzeugt, vorzuziehen. Der Stromverbrauch von elektrisch betriebenen Wärmepumpen halte die Spitzenstromlast hoch und fördere damit den weiteren Betrieb und Ausbau von konventionellen Kraftwerken. Als Möglichkeit, den Energieverbrauch deutlich zu senken, stellte er das Sonnenhaus-Bau- und Heizkonzept vor.
Solare Deckungsgrade bis 100 Prozent
Bei den so genannten Sonnenhäusern werden mindestens 50 Prozent des Energiebedarfs solar gedeckt. Möglich sind bis zu 100 Prozent. Der hohe solare Deckungsgrad wird im Wesentlichen durch eine großflächige Solaranlage mit Südausrichtung, einen Solarspeicher mit entsprechendem Fassungsvermögen sowie eine sehr gute Wärmedämmung ermöglicht. Dasch, der in der vergangenen Jahren über 20 überwiegend solar beheizte Häuser vorwiegend in Süddeutschland realisiert hat, wies die Politiker darauf hin, dass der Bau dieser Häuser häufig noch durch Bebauungspläne, die eine Gebäudeausrichtung nach Süden und eine steilere Dachneigung als üblich nicht erlaubten, verhindert würden. Hier wünschte er sich eine Vereinfachung und stärkere Orientierung des Baugesetzbuchs an energetischen Anforderungen. Sonnenhäuser zeichnen sich durch einen extrem niedrigen Primärenergiebedarf nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) von 10 kWh/m² und Jahr aus. Bei Passivhäusern liegt dieser bei 40 bis 80 kWh/m² und Jahr, das vom Gesetzgeber vorgeschriebene Maximum liegt derzeit bei 100 bis 120 kWh/m² und Jahr.
„Kontakte und Zusammenarbeit sind das A und O“
Die Solar-Tour endete mit einem Besuch der Solar-Fabrik in Freiburg, an dem auch Dr. Walter Caroli und Thomas Knapp, SPD-Landtagsabgeordnete für Baden-Württemberg teilnahmen. In dem Informationsgespräch mit den rund 20 Teilnehmern appellierte auch Georg Salvamoser, Gründer und Vorsitzender der Solar-Fabrik AG, ähnlich günstige Rahmenbedingungen für die Nutzung der Solarwärmetechnik zu schaffen, wie es mit dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) für den Solarstromsektor erreicht worden sei. Salvamoser betonte außerdem die Bedeutung der erneuerbaren Energien für den Arbeitsmarkt. Allein in der Solar-Fabrik habe sich die Zahl der Arbeitsplätze im vergangenen Jahr um circa ein Drittel erhöht. 150 Personen beschäftigt der Modulhersteller derzeit. Die Produktionskapazität wurde von 20 auf 40 Megawatt Solarstromleistung ausgebaut. „Alle Akteure sind gefragt. Der Austausch von Politik, Untenehmen und Medien ist von äußerster Bedeutung“, betonte Umweltpreisträger Georg Salvamoser. Dem schloss sich Marco Bülow, 34-jähriger Abgeordneter aus Dortmund, an: „Die Kontakte und die Zusammenarbeit sind das A und O. Die zwei Tage waren produktiv und wichtig für uns.
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