Startseite
Ziele und Leistungen
Partner
Publikationen
Kontakt
Baukonzept
Heizkonzept
Komponenten
Möglichkeiten im Bestand
Schritte zur Realisierung
Wohnhäuser
Funktionsgebäude
Altbau-Solarisierung
Aktuelle Projekte
Partnerbetriebe
Projekte
Veranstaltungen
Förderung
Presse
Energieträger, -verbrauch
Heizsysteme
Downloads
Mitglieder-Login

Pressemitteilung

 
 

Die Sonnenhaus-Pioniere von Rottenburg

36 Quadratmeter Sonnenkollektoren decken 60 Prozent des Energiebedarfs für Heizung und Warmwasser, für den Rest sorgt eine moderne Stückholzheizung

Rottenburg-Oberndorf, 7. März 2005. In der Casa Azul, dem „blauen Haus“ im schwäbischen Rottenburg-Weiler, strahlt die Wärme aus den Wänden. Und nicht nur das: Die behagliche Strahlungswärme, die hier über Wandflächenheizungen verteilt wird, kommt direkt von der Sonne. 36 Quadratmeter Sonnenkollektoren decken 60 Prozent des Energiebedarfs für Heizung und Warmwasser. Für den Rest sorgt gespeicherte Sonnenenergie in Form von Stückholz. 1999 haben Ansgar und Claudia Müller sich ihren Traum vom Sonnenhaus erfüllt. Sie haben es nicht bereut. „Alles ist stimmig! Wir würden es genauso wieder machen“, betonen die beiden.

Möglichst viel Wärme von der Sonne

Wie ihr Einfamilienhaus aussehen sollte, wussten die Eltern zweier Töchter ganz genau. Aus Holz sollte es sein, gesunde Strahlungswärme aus den Wänden wollten sie, und das Heizsystem sollte möglichst komplett von Öl und Gas abgekoppelt sein. Hier fiel die Entscheidung auf die Kombination von Sonne und Holz. „Wir wollten auf alle Fälle mit Holz heizen, aber komfortabel sollte es sein. Und weil wir nicht ständig Feuer machen wollten, war klar, dass möglichst viel Wärme von der Solaranlage kommen musste“, fasst Ansgar Müller ihre Überlegungen in der Planungsphase zusammen. Damit hatten sie Neuland betreten.

Während Solaranlagen zu der Zeit – wie auch noch heute - überwiegend für die Erwärmung von Dusch- und Trinkwasser eingesetzt wurden, trauten sie der Technik schon damals die Deckung eines Großteils ihres Heizbedarfs zu. Bei der Firma Hartmann Energietechnik vom Verband der Solar-Einkaufsgemeinschaften e.V. stießen sie damit auf offene Ohren. Der Solarfachbetrieb entwickelte ein solares Heizkonzept, mit dem sie sich ihren Wunsch erfüllen konnten. Das Bau- und Heizkonzept, bei dem mindestens 50 Prozent des Wärmeenergiebedarfs durch eine großflächige Solaranlage gedeckt werden, ist heute als Sonnenhaus-Konzept bekannt.

Wichtigste Voraussetzung für einen hohen solaren Deckungsgrad ist die Ausrichtung des Gebäudes nach Süden. In der Neubausiedlung in Rottenburg-Weiler war dies problemlos möglich. Bei der Dachneigung nutzten die Müllers das erlaubte Maximum von 45 Grad aus. Je steiler das Dach, desto höher ist die Solarausbeute im Winter. Die Kollektorgröße von 36 Quadratmetern wurde optimal auf die Dachform abgestimmt. Ihr fiel ein zunächst geplanter Zwerchgiebel zum Opfer, dem die Familie allerdings nicht nachtrauert. Im Gegenteil: „Das flache Erkerdach macht den Weg frei für die Sonne und unterstreicht zusammen mit der geschlossenen großen Kollektorfläche den Charakter des Sonnenhauses“, sagt Ansgar Müller. Die Wärme kann über Tage und Wochen in dem Solartank mit einem Fassungsvermögen von 5,1 Kubikmetern und zweistufiger Be- und Entladung gespeichert werden. In dem sogenannten Kombispeicher befindet sich neben dem Heizungswasser auch ein Edelstahlbehälter für das Trinkwasser. Damit ist die Wärmeversorgung für die sonnenreichen Monate gesichert. Und mehr als das: Die überschüssige Wärme reicht aus, um im Sommer auch das Bad und das Wasser für die Spülmaschine zu beheizen. Im Planschbecken kommen die Töchter in den Genuss der sonnigen Wärme.

Heizen mit Holz: ja bitte!

Bei der Biomassefeuerung für die Nachheizung in der kühleren Jahreszeit entschied sich das Paar für einen modernen, abgasarmen 20-kW-Holzvergaserkessel. „Den Geruch von Öl fanden wir schon immer unangenehm, außerdem haben wir einen eigenen kleinen Wald, da bot es sich an, mit Stückholz zu heizen“, erzählt der 37-jährige Familienvater. „Das macht man doch nicht mehr, hörten wir von anderen, aber davon haben wir uns nicht beirren lassen.“ Aus Erfahrung wissen sie heute, dass die Heizperiode in ihrem Sonnenhaus von November bis Mitte März dauert. In dieser Zeit heizen sie etwa alle drei Tage nach, so dass sie nur an ungefähr 40 Tagen Holz nachlegen müssen. Im Wohnzimmer genießen Eltern und Kinder die Wärme eines 7-kW-Kaminofens. „Sichtbar sollte es sein. Außerdem ist man so näher am Urelement Feuer dran“, erzählt Claudia Müller und ergänzt mit einem Lachen: „Unsere Tochter Salome sucht die Nähe des wärmenden Ofens wie eine Katze.“ Eine besondere Freude bereitet ihr die jährliche Nachfrage nach Heizöl-Sammelbestellungen. Die lehnt sie jedes Jahr auf’s Neue dankend ab. Und die ungläubige Frage „Was, Ihr habt noch nicht geheizt?“ registriert sie mit einem Lächeln.

Sonnige Wärme aus den Wänden

Etwas erstaunt war vor einiger Zeit auch Tochter Viviana: „Mami, wo sind eigentlich unsere Heizkörper“, fragte diese ihre Mutter, nachdem sie im Kindergarten ihre Bilder auf der Heizung getrocknet hatte. Dieses Thema bringt Claudia Müller ins Schwärmen. „Dass eine Wandheizung soviel ausmacht, hätte ich nicht gedacht“, sagt sie. Bei Wandflächenheizungen sind die Heizrohre in die Wände eingebaut und geben eine behagliche langwellige Strahlungswärme ab. Auf diese Weise wird ein angenehmes Raumklima geschaffen, und es wird kein Staub wie bei Heizkörpern aufgewirbelt. Aufgrund ihrer niedrigen Vorlauftemperaturen sind Flächenheizungen für Solarheizanlagen ideal.

„Es ist einfach schön“, fasst Ansgar Müller ihr Wohn- oder vielmehr Wohlgefühl zusammen. Den Wunsch, andere zum solaren Heizen zu bekehren, haben sie nicht. „Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit. Das ist unser Leben!“

Das Sonnenhaus Müller auf einen Blick:

  • Einfamilienhaus in Rottenburg-Weiler in Schwaben
  • Baujahr: 1999
  • Beheizte Wohnfläche: 178 Quadratmeter
  • Jahresheizenergiebedarf: 13.772 kWh/a
  • Gebäudetyp: Holzständerbauweise
  • Mittlerer k-Wert: 0,277 W/m²K
  • Solarer Deckungsgrad: 60 Prozent
  • Kollektorfläche: 36 Quadratmeter
  • Dachneigung: 45 Grad
  • 20-kW-Holzvergaserkessel im Keller
  • 7-kW-Kaminofen im Wohnzimmer
  • Kombispeicher (Swiss Solartank) mit zweistufiger Be- und Entladung und 5,1 m³ Fassungsvermögen
  • Höhe des Kombispeichers: 2,2 Meter
  • Wandflächenheizung, teilweise auch Fußbodenheizung
  • Lüftungsanlage ohne Wärmerückgewinnung
  • Brennstoffbedarf: 4 bis 6 Festmeter Holz / Jahr

Das Sonnenhaus-Konzept:

Beim Sonnenhaus steht die aktive Nutzung der Sonne im Mittelpunkt. Der Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser wird zu mindestens 50 Prozent solar gedeckt, für den Restbedarf sorgt im Idealfall eine moderne, abgasarme Biomasseheizung. Wesentliche Komponenten des Systems sind eine großflächige Solarwärmeanlage auf einem Süddach mit möglichst steiler Dachneigung, ein Solarspeicher mit entsprechendem Fassungsvermögen sowie eine sehr gute Wärmedämmung. Durch große Fensterflächen auf der Südseite wird die Sonnenenergie zudem passiv genutzt. Durch den Verzicht auf eine elektrisch betriebene Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wird der Strombedarf reduziert.

Ein Sonnenhaus zeichnet sich durch seinen extrem niedrigen Primärenergiebedarf nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) aus. Dieser liegt hier bei rund 10 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Bei einem Passivhaus beträgt er zwischen 40 und 80 kWh/qm und Jahr. Für Neubauten schreibt die EnEV einen Primärenergiebedarf von maximal 100 bis 120 kWh/qm und Jahr vor.

 

 

< zurück

 

 
  Startseite Impressum