Sonne statt Atomenergie – Österreichs Potenzial für solarthermische Heizkonzepte
Straubing, 19. Oktober 2010 – Mit der Einweihung eines spektakulären Sonnenhauses in Eferding (Oberösterreich) sowie einem zusätzlichen, außerplanmäßigen Sonnenhaus Intensivseminar in Übelbach (Steiermark), verzeichnet das Sonnenhaus-Institut nun auch in Österreich eine eindeutige Aufbruchstimmung hin zu solarthermischem Heizen.
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Das Sonnenhaus Leitl - leuchtendes Beispiel eines Null-Emissionshauses
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So ist das neue Vital-Sonnenhaus der Bauhütte Leitl-Werke GmbH in Eferding gleich unter mehrere Niedrigenergie-Aspekten Beispiel gebend: Als Plusenergie- und Null-Emissionshaus sammelt es mehr Energie aus der Sonne, als es zur 100 prozentigen Deckung seines Jahreswärmebedarfs für Heizung und Warmwasser braucht. Den Energieüberschuss liefert es an sein Nachbarhaus, mit dem das Gebäude in einem Energienahverbund steht.
Für die Planung dieses Informations- und Schulungsgebäudes vertraute der Bauherr auf die Expertise der Gründer des Sonnenhaus-Instituts e.V. Die Architekten Georg Dasch und Thomas Dirschedl sowie Wolfgang Hilz, Solaringenieur, kombinierten für das Sonnenhaus Leitl 108 Quadratmeter Sonnenkollektoren, auf der Südseite der Fassade, mit einem 27.000 Liter Pufferspeicher. Das 50 Zentimeter Ziegelmauerwerk aus dem von der Firma Leitl entwickelten Vital-Ziegeln, ist gleichzeitig eine optimale Wärmedämmung. Es zeichnet sich durch sein angenehmes Raumklima sowie seine besonders hohe Wärmespeicherfähigkeit aus. Der berechnete, jährliche Solarertrag ist mit 30.000 Kilowattstunden (kWh) doppelt so hoch, wie der gesamte Energieverbrauch des Vital-Sonnenhauses mit seinen 660 Quadratmetern Nutzfläche. „Würde die Hälfte des österreichischen Raumwärmebedarfs solar erzeugt“, so Martin Leitl, Geschäftsführer der Bauhütte Leitl-Werke GmbH und Bauherr des innovativen Gebäudes, „stünde jährlich mehr Energie zur Verfügung, als das Atomkraftwerk Temelin erzeugt. Österreich könnte gänzlich ohne Atomenergie auskommen und seinen Energiebedarf völlig natürlich allein mit erneuerbarer Wasser- und Sonnenenergie decken.“
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Der 27.000 Liter Pufferspeicher reicht vom Keller bis unter die Erdgeschossdecke |
Österreich ist zwar das Ursprungsland der Solartechnik und weist nach Zypern und Israel weltweit die höchste pro Kopf Dichte an Sonnenwärmeanlagen vor. Jedoch werden diese bislang vorwiegend zur Warmwasser Bereitung eingesetzt. Dabei wäre es ein Leichtes, das Heizpotenzial dieser Energie zu nutzen: Ohnehin nutzen Österreicher bereits 40 Prozent des gesamten Energiebedarfs für Niedrigtemperatur-Heizungen - optimal für solarthermischen Anlagen.
Die Gesetzeslage in Österreich begünstigt derzeit noch die Maximierung der Wärmedämmung ohne die aktive solare Energiegewinnung zu berücksichtigen. Dies könnte sich jedoch durch die Anforderungen der EU-Gebäuderichtlinie ändern. Diese Richtlinie legt als Maßstab für Energieeffizienz den jährlichen Gesamtenergiebedarf (Primärenergiebedarf) eines Gebäudes zugrunde. Neben dem Heizenergiebedarf, der heute noch in Österreich als Maßstab für Wohnbauförderung gilt, umfasst der Primärenergiebedarf zusätzlich die Energiemenge, die durch vorgelagerte Prozessketten außerhalb des Gebäudes bei der Gewinnung, Umwandlung und Verteilung des Energieträgers benötigt wird. Sonnenhäuser erfüllen bereits jetzt die Anforderungen der EU-Gebäuderichtlinie.
Über 500 realisierte Sonnenhäuser in Deutschland und einige Dutzend in der Schweiz zeigen, dass sich das solarthermische Bau- und Heizkonzept des Sonnenhaus-Instituts flexibel an die klimatischen Gegebenheiten anpassen lässt. Das Ergebnis: hoher Wohnkomfort, behagliche Wärme und das bei minimalen Heizkosten – selbst als der letzte, extrem sonnenarme Winter fast nicht enden wollte. Sonnenhausbewohner sind durch die unentgeltliche Nutzung der krisensicheren und sauberen/erneuerbaren Sonnenenergie völlig unabhängig von der Verfügbarkeit von Rohstoffen und ihren Preisen.
Die Nachfrage nach einem umfassenden solarthermischen Baukonzept steigt nach wie vor. Als Kompetenznetzwerk vermittelt das Sonnenhaus-Institut sein Know-how für weitgehend solar beheizte Gebäude in praxisorientierten Intensivseminaren. Erstmals und mit durchschlagendem Erfolg bieten die Solarexperten in diesem Jahr ihr Seminar über die wesentlichen Grundlagen zur solaren Gebäudeplanung, Heizungstechnik und Marketing von Sonnenhäusern auch in Österreich an. Aufgrund der großen Nachfrage und einer immer länger werdenden Warteliste veranstaltete das Sonnenhaus-Institut ein zusätzliches Seminar in der Steiermark mit über 100 Teilnehmern. Die ersten beiden Seminare fanden in Oberösterreich und in Wien statt. Für das kommende Jahr sind nun von vornherein drei Seminare in Österreich und fünf in Deutschland geplant.
Steckbrief: Vital-Sonnenhaus, Eferding (Oberösterreich)
Baujahr des Hauses: 2010
Nutzfläche: 500 Quadratmeter
Kollektorfläche: 108 Quadratmeter
Kollektorneigung: 70°
Pufferspeicher: 27.000 Liter
Solarer Deckungsgrad: 100 Prozent
(zuzüglich Lieferung des Energieüberschusses an Nachbargebäude, entspricht 134 Prozent)
Dämmmaßnahmen: Wände: 50cm Vitalton-Solex-Planziegel, U = 0,15 W/ m²K
Primärenergiebedarf im Energieverbung: 0 kWh/m²a
Heizwärmebedarf: 22 kWh/m²a
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