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Erstes Sonnenhaus-Intensivseminar in Niedersachsen

 

Braunschweig / Lehrte 1./2. Februar 2008.

Die Solartechnik boomt und bietet Handwerkern, Architekten, Planern und anderen Fachleuten neue Auftragschancen. Aus diesem Grund bietet das Sonnenhaus-Institut e.V. mehrmals jährlich Sonnenhaus-Intensivseminare an. Estmals fand am 1./2. 2.2008 auch in Norddeutschland eine bundesweit organiserte Veranstaltung statt, die mit 32 Teilnehmern bereits innerhalb zwei Wochen ausgebucht war. Freundliche und großzügige Gastgeber waren die Firmen Solvis in Braunschweig und Helma-Eigenheimbau in Lehrte. Das Foto zeigt Georg Dasch, Peter Rubeck und Solvis-Geschäftsführer Helmut Jäger bei der Begrüßung im Seminarraum der "Nullemissionsfabrik" in Braunschweig.

Freitag, 13 Uhr:
Nach der Begrüßung und Einführung durch SHI-Geschäftsführer Peter Rubeck erläutert Solararchitekt Georg Dasch aus dem bayerischen Straubing den Hintergrund des Sonnenhaus-Bau- und Heizkonzeptes. Warum ist die aktive Nutzung der Solarenergie so bedeutend, und wieso kann die Wärmepumpe nicht die Lösung des Klimaproblems sein? Er stellt private und gewerbliche Gebäude vor, die überwiegend solar beheizt werden. Auch die Integration von großen Solaranlagen in Altbauten ist ein Thema. Bei Solarfachmann Wolfgang Hilz wird es technisch. Er geht auf die Planungsgrundlagen und Dimensionierung der Anlagentechnik ein und erläutert die Hauptkomponenten der Sonnenheizung. Dazu zählen Großflächenkollektoren, ein entsprechend dimensionierter Solartank, ein Holzofen für die Nachheizung und Flächenheizungen. Helmut Jäger ergänzt Interessantes zum Thema Schichtspeichertechnik und bereitet die Gruppe auf die morgen stattfindende Besichtigung vor. "Gibt es einen Markt für Sonnenhäuser?" fragt abschließend Wirtschaftsingenieur Andreas Schuster aus Passau. Er spricht über die Kosten und Wirtschaftlichkeit von weitgehend solar beheizten Häusern und gibt Tips für die Vermarktung. "Kittelbrennfaktor" heißt das viel zitierte Zauberwort. Trotz hoher Informationsdichte müssen die Referenten überziehen. Die Aufmerksamkeit der hochmotivierten Schulungsteilnehmer ist bis in die späten Abendstunden ungebrochen; letztendlich werden sie durch ein vom Gastgeber fürstlich aufgetragendes Abendbüffet belohnt.

Samstag 9 Uhr:
Der Besichtigungstag beginnt mit einer Führung durch die "Nullemissionsfabrik", ein Musterbeispiel des energetisch und ökologisch optimierten Gewerbebaus. Das 8000 m² große Areal wurde im Jahr 2002 errichtet und mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Die Fa. Solvis GmbH&CoKG ist einer der technologisch führenden Hersteller für Solarheizsysteme und Solarabsorber im europäischen Markt; seit 2007 trägt sie aktiv dazu bei auch die Sonnenhaustechnik aus dem Schattendasein einer bisher kaum beachteten Marktnische herauszuführen.

Helmut Jäger kann zu Beginn seiner Einführung stolz berichten, daß dem Architekten Dietmar Riecks für dieses Projekt eben erst der erste Preis für die "energieeffizienteste Gewerbeimmobilie Deutschlands 2008" verliehen wurde ("Prom des Jahres", gestiftet von RWE Energy unter der Schirmherrschaft des Umweltministeriums). Ein spezifischer Primärenergiebedarf in Höhe von 0,0 kWh/m² wurde nach neuster Norm (DIN V 18599) für das Gebäude berechnet, denn - die Überschüsse der Photovoltaikanlage eingerechnet - wird in dem sehr gut wärmegedämmten Gewerbebau mehr Energie erzeugt, als er selbst verbraucht.

(Grafik und Foto oben von Fa. Solvis)

Energiekozept: Der Energiebedarf wird durch Solarenergie und ein mit Rapsöl betriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) gedeckt. Davon erwirtschaftet die etwa 1.200 m² große Photovoltaikanlage 130 kWp. Den restlichen Anteil von 100 kW erzeugt das BHKW gleichzeitig mit einer Wärmeleistung von 160 kW. 180 m² Flachkollektoren unterstützen den Wärmebedarf. Das ökologische Gesamtkonzept beinhaltet zusätzlich eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung und eine Vakuumentwässerung. "Nun wollen wir noch zur Abrundung des Ganzen einen 100 m² Solarspeicher integrieren, dann wird unsere Fabrik auch ein echtes Sonnenhaus" verkündet Helmut Jäger. Schon jetzt werden die unisolierten, großen Wassertanks der Sprinkleranlage zum solaren Heizen und Kühlen verwendet.

Helmut Jäger erläutert den Schichteinsatz des Solarspeichers und führt durch die - mit modernster Technik ausgestattete - Kollektorproduktion; im Bild zusehen die Laserschweißmaschine , mit der auch Aluminiumbleche auf Kupferrohren verschweißt werden können. Bis zu 350.000 m² Kollektoren können jährlich produziert werden. Durch Einsatz von speziellen, reflexarmen Solargläsern konnte die Effizienz der Kollektoren um weitere 5% gesteigert werden.

 

Samstag 11 Uhr : Nach knapp einer halben Stunde Fahrzeit treffen wir im Musterhauspark der Firma Helma Eigenheimbau AG in Lehrte ein.

Schon von weiten sticht das Sonnenhaus durch seine "erfrischend" wirkende Solararchitektur ins Auge. Auch im inneren gefällt das Haus durch seine lichtdurchflutete, offene Bauweise. In der unmittelbaren Nachbarschaft des Sonnenhauses wirkt der kubische Passivhaus-Bau eher asketisch und nüchtern.
36 m² Kollektoren erwärmen einen 7 m³-Schichtspeicher, der über einen Kachelofeneinsatz bei Bedarf nachgeheizt wird. Die Solarkomponenten wurden von der Firma Solvis geliefert. Die Anlage wird - in Kooperation mit dem ITW-Institut Stuttgart laufend vermessen. Besucher können an einem an der Wand angebrachten Bildschirm die Puffertemperaturen verfolgen. Die Daten sind auch online über das Internet abrufbar.

Obwohl der Solarspeicher bei Inbetriebnahme im November mit kaltem Wasser gefüllt wurde und der Bau noch nicht ausgetrocknet war, wurden in dem - nicht sehr sonnenreichen - Winter bislang nur knapp 3 Raummeter Brennholz verheizt. Also nicht nur im sonnenverwöhnten Bayern zeigen Solarheizungen Wirkung.

Michael Oppermann, technischer Leiter von Helma, setzt voll auf das Sonnenhauskonzept, und der Erfolg gibt ihm bislang recht: Seit November 2007 hat Helma schon 6 Sonnenhäuser verkauft; ein zweites Musterhaus wurde schon in Offenburg (Baden) gebaut.

 

 

 

 

Georg Dasch und Helmut Jäger, vertieft in ein Fachgespräch

Gruppenfoto zum Seminarabschluß
Eine hochmotivierte Truppe, sichtlich vom Solarvirus infiziert, tritt nach zwei sehr informativen Tagen den Heimweg an.

Weitere Informationen zum Helma-Sonnenhaus finden Sie hier.

  Text und Fotos: Wolfgang Hilz

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