Allgemeine Fragen
1. Was ist ein Sonnenhaus?
2. Aus welchen Komponenten besteht ein Sonnenhaus?
3. Gibt es Qualitätskriterien/Standards für Sonnenhäuser?
4. Gibt es Sonnenhäuser, die zu 100 Prozent mit Solarwärme versorgt werden?
5. Produziert ein Sonnenhaus auch Sonnenstrom auf dem eigenen Dach?
6. Ist eine Lüftungsanlage zwingend erforderlich für ein Sonnenhaus?
7. Kann im Sonnenhaus die Temperatur in den einzelnen Räumen frei geregelt werden?
8. Welchen Mehrwert bietet ein Sonnenhaus?
9. Benötigen Architekten, Fachplaner und Handwerker ein spezielles Wissen, um ein Sonnenhaus zu errichten?
10. Wie kann der große Wasserspeicher im Haus untergebracht werden?
1. Was ist ein Sonnenhaus?
Sonnenhäuser sind Gebäude, die mindestens die Hälfte der benötigten Wärme für Raumheizung und Brauchwasser mit Hilfe einer Solaranlage erzeugen. Als zusätzlicher Wärmelieferant kommt in der Regel eine Biomasseheizung zum Einsatz, meist eine Stückholz- oder Pelletheizung. Auch der nachwachsende Rohstoff Holz ist gespeicherte Sonnenenergie und verbrennt CO2-neutral. Die ausschließliche solare Beheizung von Gebäuden ist ebenso machbar. In erster Linie werden Sonnenhäuser mit einem solaren Deckungsgrad zwischen 50 und 80 Prozent gebaut. Die Praxis zeigt, dass ein Deckungsgrad von etwa 70 Prozent am wirtschaftlichsten ist.
2. Aus welchen Komponenten besteht ein Sonnenhaus?
Neben der sehr guten Wärmedämmung als Grundvoraussetzung sind vier Heizkomponenten im Sonnenhaus für die Wärmeversorgung zuständig. (1) Die winteroptimierten Sonnenkollektoren sammeln die Sonnenwärme ein. (2) Der große Solartank im Gebäudeinneren speichert die Sonnenwärme über mehrere Tage oder Wochen. (3) Eine Biomasse-Zusatzheizung sorgt auch dann für angenehme Raumtemperaturen, wenn während längerer sonnenarmer Perioden im Winter die Wärme im Tank knapp wird. (4) Niedertemperatur-Flächenheizungen verteilen die Wärme bedarfsgerecht und individuell regelbar in den Raumen.
Um 50 bis 80 Prozent der Wärme für ein gut gedämmtes Einfamilienhaus solar zu erzeugen, ist in der Regel eine Kollektorfläche von 30 bis 70 Quadratmetern erforderlich. Der mit Wasser gefüllte Solarspeicher soll möglichst lange die Wärmeenergie der Sonne speichern. Deshalb beträgt das Speichervolumen der Solartanks etwa 4.000 bis 10.000 Liter für Ein- und Zweifamilienhäuser (solarer Deckungsgrad 50 bis 80 Prozent). Bei 100%igen Sonnenhäusern liegt die Größe des Solartanks bei rund 40.000 Litern. Die Biomasse-Zusatzheizung beliefert den Speicher mit Wärme, wenn die Sonne während langer dunkler Wintertage nicht ausreicht. Ein Kamin- oder Kachelofen mit Wassereinsatz kann für zusätzlichen Wohnkomfort sorgen. Ein Holzvergaserkessel oder eine vollautomatisch arbeitende Pellets-Zentralheizung sind Alternativen für alle, die nicht im Wohnraum nachheizen möchten. Die Verteilung der Wärme aus dem Solartank erfolgt über ein Flächenheizsystem in Form von Wand- oder Fußbodenheizungen. Sie ermöglichen eine optimale Ausbeute der Solarwärme, da sie mit relativ niedrigen Vorlauftemperaturen auskommen.
3. Gibt es Qualitätskriterien/Standards für Sonnenhäuser?
Nach den Kriterien des Sonnenhaus-Instituts muss ein Sonnenhaus einen sehr guten Dämmstandard aufweisen. Allerdings braucht es dabei nicht den überdurchschnittlich hohen Dämmstandard eines Passivhauses erreichen. Die Anforderungen der EnEV müssen um wenigstens 30 Prozent unterschritten werden. Wird ein Altbau zum Sonnenhaus umgerüstet, müssen mindestens die EnEV-Anforderungen erfüllt werden. Ein weiteres Qualitätskriterium für ein Sonnenhaus ist natürlich der solare Deckungsgrad. Wenigstens 50 Prozent des gesamten jährlichen Wärmebedarfs für Raumheizung und Brauchwasser sollen solar gedeckt werden. Als drittes Qualitätskriterium kommt der spezifische Primärenergiebedarf hinzu. Beim Sonnenhaus-Neubau gilt es den maximalen Wert von 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr nicht zu überschreiten. Beim zum Sonnenhaus umgerüsteten Altbau sollte der spezifische Primärenergiebedarf bei maximal 65 bis 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr liegen.
4. Gibt es Sonnenhäuser, die zu 100 Prozent mit Solarwärme versorgt werden?
Ja, es gibt Sonnenhäuser, die zu 100 Prozent solar beheizt werden. Darunter befinden sich Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Nutzgebäude. Das Sonnenhaus-Konzept hat allerdings nicht als oberste Priorität, möglichst einen solaren Deckungsgrad von 100 Prozent zu erreichen. Vielmehr geht es darum für die Beheizung des Gebäudes eine ausgewogene und ökologisch wie wirtschaftlich vertretbare Mischung aus Sonne und Holz zu finden. Bewährt hat sich ein Energiemix aus rund zwei Drittel Sonne und einem Drittel Holz. So kommt beispielsweise ein gut gedämmtes Einfamilienhaus mit zwei bis vier Raummetern Holz durch den Winter.
5. Produziert ein Sonnenhaus auch Sonnenstrom auf dem eigenen Dach?
Die vorhandene Südfläche auf dem Dach oder an der Fassade wird in erster Linie für die Unterbringung von thermischen Solarkollektoren genutzt. Die solare Stromgewinnung steht beim Sonnenhaus erst an zweiter Stelle. Dennoch produzieren viele Sonnenhäuser auch Sonnenstrom, wenn zuvor ausreichend thermische Kollektoren untergebracht worden sind. Dadurch dass Sonnenhäuser der solaren Wärmegewinnung den Vortritt lassen, leisten sie einen erheblichen Anteil dazu, den allgemeinen Energiebedarf um ein Vielfaches zu senken. Die privaten Haushalte verbrauchen rund ein Drittel vom gesamten Energiebedarf Deutschlands. Von diesem Drittel fallen 87 Prozent auf die Bereitstellung von Wärme für Raumheizung und Brauchwasser! Der Strombedarf für Hausgeräte, Beleuchtung und Kochen macht dagegen nur 13 Prozent vom Gesamtenergiebedarf der deutschen Haushalte aus (Quelle: Deutscher Wirtschaftsdienst). Es ist also wesentlich sinnvoller an einem zu beheizenden Gebäude den thermischen Kollektoren den Vortritt zu lassen und eine Photovoltaik-Anlage erst dann zu installieren, wenn dafür Fläche übrig bleibt.
6. Ist eine Lüftungsanlage zwingend erforderlich für ein Sonnenhaus?
Für ein Sonnenhaus ist es nicht zwingend erforderlich eine Lüftungsanlage einzubauen. Viele Sonnenhäuser funktionieren ohne Lüftungsanlage. Es macht allerdings Sinn, wenn der solare Deckungsgrad erhöht werden soll, vor allem wenn ein sehr hoher solarer Deckungsgrad Richtung 100 Prozent gewünscht ist, und die Möglichkeiten der Dämmung und der Dimensionierung der Solaranlage ausgeschöpft sind. Eine Lüftungsanlage ist keine geringe Investition. Außerdem wird durch den Einbau zusätzliche Technik installiert, die gewartet werden muss und einer regelmäßigen Reinigung bedarf. Darüber hinaus setzt die Lüftungsanlage eine bestimmte Art der Bewohnung voraus. Die Anlage regelt die Belüftung des Gebäudes automatisch. Menschen, die gerne mit offenen Fenstern leben und lüften sollten ihre Gewohnheiten ändern, wenn sie sich für eine Lüftungsanlage entscheiden. Für Menschen, die sich nicht selbst um die Belüftung ihres Hauses kümmern können oder möchten und offene Fenster eher meiden wollen, können Lüftungsanlagen dagegen einen Zugewinn an Wohnkomfort darstellen.
7. Kann im Sonnenhaus die Temperatur in den einzelnen Räumen frei geregelt werden?
Im Sonnenhaus ist die Temperatur in jedem Raum einzeln und je nach individuellem Wärmeempfinden regelbar. Es wird mit wassergeführten Heizungen geheizt, in der Regel Flächenheizungen in Fußböden und Wänden. Im Gegensatz zum Passivhaus ist es im Sonnenhaus möglich unterschiedliche Temperaturzonen zu schaffen, die sich nach dem jeweiligen Bedarf der unterschiedlich genutzten Zimmer richten. Im Wohnzimmer braucht der Bewohner normalerweise eine höhere Temperatur als im Schlafzimmer. Und das ist im Sonnenhaus kein Problem. Über Thermostate ist die gewünschte Temperatur in jedem Zimmer frei nach Bedarf einzustellen.
8. Welchen Mehrwert bietet ein Sonnenhaus?
Die Sonne stellt ihre Wärme kostenlos zur Verfügung. Mit Sonnenenergie kann nicht gehandelt werden. Sie wird nirgends abgebaut, niemandem weggenommen, nicht über Zwischenhändler weiterverkauft und niemals aufgebraucht. Die Sonne schickt ihre Energie im absoluten Überfluss. Wenn es um eine zuverlässige und bezahlbare Wärmeversorgung geht, sind Sonnenhaus-Bewohner immer auf der sicheren Seite. Lediglich ein geringer Bedarf am heimischen Rohstoff Holz muss bestritten werden. Doch die im Schnitt zwei bis vier Raummeter Holz pro Jahr für ein Einfamiliensonnenhaus lassen die Belastung der Haushaltskasse überschaubar aussehen. Zudem ist die Liefersicherheit beim heimischen Holz gewisser und die Teuerungsrate wesentlich absehbarer als bei Erdöl, Erdgas oder Strom. Denn Holz ist ein nachwachsender und regional verfügbarer Rohstoff. Und wer heute an Heizkosten sparen kann, dem bleibt erheblich mehr Geld in der Haushaltskasse für andere Dinge, zum Beispiel für die Freizeitgestaltung.
Die Mehrinvestition in ein Sonnenhaus ist auf jeden Fall gut angelegtes Geld, da die Technik ausgereift und das Konzept zukunftsfähig ist. Das mehr investierte Geld amortisiert sich mit absoluter Garantie. Auch die Urenkel der Sonnenhaus-Bauherren/-innen wird die Sonne noch zuverlässig und kostenlos mit Wärme beliefern. Darüber hinaus schützen Sonnenhaus-Bewohner aktiv unsere Umwelt und leisten einen wichtigen Beitrag für deren Erhalt. Und das ist ein Mehrwert, der unbezahlbar ist.
9. Benötigen Architekten, Fachplaner und Handwerker ein spezielles Wissen, um ein Sonnenhaus zu errichten?
Architekten, Fachplaner und Handwerker sollten sich auf jeden Fall sehr gut auskennen und wissen, worauf es beim Sonnenhaus-Konzept ankommt, bevor sie mit dem Bau oder der Planung eines Sonnenhauses beginnen. Es kann auch nicht schaden, wenn sich Bauherren/-innen vorab ausführlich über die Bauweise des Sonnenhauses informieren. So können sie unter anderem besser einschätzen, welche Planer und Handwerker für sie in Frage kommen. Beim Sonnenhaus sind Dinge zu beachten, welche bei einer Standardbauweise eher unrelevant sind. Das beginnt bei der Wahl eines für Sonnenhäuser geeigneten Grundstücks, geht weiter bei der Unterbringung, der richtigen Dimensionierung und Installation der Kollektoren und des Pufferspeichers und hört bei den Kenntnissen über eine wärmebrückenfreie Gebäudedämmung noch lange nicht auf. Architekten, Planer und Handwerker sollten also unbedingt Sonnenhaus-Fachkenntnisse aufweisen. Dafür bietet das Sonnenhaus-Institut unterschiedliche Möglichkeiten. Allen voran stehen die regelmäßig und deutschlandweit durchgeführten Sonnenhaus-Intensivseminare. Mittlerweile gibt es sogar einige Seminare in Österreich. Sie vermitteln einen umfassenden Einblick, auch anhand zahlreicher realisierter Projekte. Nach einem Seminar erhalten die Teilnehmer ein Teilnahmezertifikat. Außerdem gibt es zahlreiche Fachinformationen auf der Homepage www.sonnenhaus-institut.de. Bauherren/-innen können hier Sonnenhaus-Fachfirmen finden und deren Referenzobjekte ansehen.
10. Wie kann der große Wasserspeicher im Haus untergebracht werden?
Für das Heizkonzept im Sonnenhaus eignet sich am besten ein hoher und schlanker Wassertank. Das ist für die Temperaturschichtung sehr wichtig. Meist reicht er über zwei Stockwerke. Als prägendes Gestaltungselement inszeniert erscheint er als ummauerte runde Wandfläche. Die Treppe ins Obergeschoss kann zum Beispiel um den Speicher gewendelt werden. Natürlich kann er auch so in den Grundriss integriert werden, dass er nicht wahrgenommen wird. Wichtig ist ihn im Gebäude zu platzieren. So kommt seine Abwärme im Winter der Raumbeheizung zugute. Im Sommer stört sie jedoch nicht, wegen der sehr guten Isolierung (mind. 200 mm). Bei zu viel Hitze kann der Speicher nachts über die Kollektoren abgekühlt werden.
Beim Neubau muss die Unterbringung des Pufferspeichers von Anfang an bedacht werden. Findet der Speicher dennoch keinen Platz im Grundriss oder wird er nachträglich eingebaut, ist eine Aufstellung im Keller möglich. Hier sind allerdings oft Grenzen gesetzt (z.B. niedrige Raumhöhe, zu schmale Türen). Durch die begrenzte Höhe und die gedrungene Form schichtet er dann nicht ganz so gut, da die Temperaturzonen enger zusammen liegen. In unbeheizten Kellerräumen kann außerdem die Abwärme nur bedingt genutzt werden. Es gibt aber auch hier Lösungen. Ein großer Speicher kann beispielsweise in Teilen geliefert und am Aufstellungsort zusammen geschweißt werden. Es ist auch möglich mehrere kleinere Tanks nebeneinander zu stellen.
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