„Wir genießen den verschwenderischen Umgang mit (Sonnen)Energie“

14.08.2006

Sonnenkollektoren für Warmwasser nutzen

Im Sonnenhaus Schmid sorgen 62 m² Sonnenkollektoren für 70 Prozent der Wärme für Heizung und Warmwasser – Mit fünf Raummeter Stückholz für die Zuheizung kommt die Familie mit 250 Euro Brennstoffkosten über den Winter.

„Bislang war noch jeder im Freundeskreis verblüfft, wenn er unsere Warmwasser- und Heizkosten gehört hat“, sagt Sonnenhaus-Bewohner Thomas Schmid und lacht. „Ein Freund ohne Sonnenkollektoren musste 1.200 Euro Gaskosten nachzahlen, ein anderer hat fünf Raummeter Stückholz für seinen Schwedenofen gebraucht, um nur ein bisschen vom teuren Heizöl für Warmwasser zu sparen. Wir haben die gleiche Menge Holz verbraucht und im vergangenen Winter dank Sonnenkollektoren für Warmwasser nur insgesamt 250 Euro Brennstoffkosten gehabt.“ Familie Schmid im Landkreis Regensburg heizt mit viel Sonne und ein bisschen Holz.

70 Prozent Sonnenkollektoren – 30 Prozent Stückholz

Seit dem Winter 2004 bewohnt die vierköpfige Familie ein Sonnenhaus, das zu rund 70 Prozent via Sonnenkollektoren mit Warmwasser versorgt wird. Für die übrige Energie für die Heizung und das Warmwasser sorgt ein Stückholzkessel mit 20 kW Leistung. Über seinen Verbrauch führt Thomas Schmid genauestens Buch. „In unserer zweiten Heizperiode, 2005/2006, haben wir das erste Mal am 14. November eingeheizt, das letzte Mal am 5. März“, erinnert er sich. Den Rest des Warmwasser lieferten alleine die Sonnenkollektoren.

Eigentlich hätte er im Februar schon nicht mehr zuheizen wollen, aber durch den besonders langen und kalten Winter hat er im März dann doch noch einmal Brennstoff nachgelegt. „Wir mögen’s warm und gehen verschwenderisch mit der Energie um“, freut sich Schmid, der mit der Sonnenkollektoren-/Holzheizung weder seinen Geldbeutel, noch die Umwelt unnötig belastet. In Zeiten explodierender Brennstoffpreise genießen seine Frau Patricia und er diesen Luxus, den ihnen Sonnenkollektoren für Warmwasser bieten. Nur 22 Mal haben sie im vergangenen Winter mit Holz zugeheizt.

Fotos: Patricia Schmid

Über 1.500 Euro Brennstoffkosten für Warmwasser im Jahr und dann der Geruch nach Öl in ihrem alten Mietshaus: Als das Paar mit der Planung des Eigenheimes begann, stand für sie schnell fest, dass das neue Heizsystem eine Kombination von Sonnekollektoren und Holz sein sollte. „Öl und Gas sind auf dem absteigenden Ast“, ist Schmid überzeugt. „Wenn man Warmwasser über Sonnenkollektoren bekommen kann, warum soll man es dann nicht machen?“

Bei seinen Recherchen fand er heraus, dass 60° Dachneigung im Winter die höchste Ausbeute bei den Sonnenkollektoren bringen. „Diese technische Anforderung wurde vom Architekturbüro Dotter in Regensburg perfekt in einen modernen Entwurf umgesetzt“, erzählt Schmid.

Schlicht auf der Nordseite – „exotisch“ auf der Südseite: Sonnenkollektoren für Warmwasser

Wenn man auf der Nordseite an dem Haus entlang fährt, würde man kaum vermuten, dass sich dahinter ein „Solar-Heizwerk“ verbirgt. Ebenso schlicht wie das Haus in Ziegelbauweise mit Außenisolierung und hinterlüfteter Stülpschalung mit seinen kleinen Fenstern auf der Nordseite ist, genauso ungewöhnlich mutet es auf der Südseite an. Zwei Terrassentüren und große Fenster lassen viel Sonne ins Haus und ermöglichen so die passive Nutzung der Solarenergie. Nach oben hin zeigt sich dann der „wahre“ Charakter des Hauses. Das Motto lautet „aktive Nutzung“ der Solarenergie, und hierfür sorgen 62 Quadratmeter Sonnenkollektoren auf dem Dach. Mit seinem Winkel von 60 Grad erinnert das Dach eher an eine Fassade. Der Vorteil der steilen Dachneigung ist, dass die Sonne, wenn sie im Winter tief steht, fast senkrecht auf die Sonnenkollektoren scheinen und so besonders viel Warmwasser in den Solarspeicher schicken kann. Von März bis November kann die Familie ihren Energiebedarf für 220 Quadratmeter Wohnfläche damit ausschließlich solar decken. In der finsteren Jahreszeit liefert der Stückholzkessel zusätzliche Warmwasser in den Solartank, der ein Fassungsvermögen von 12 Kubikmeter hat und optisch ansprechend in das Innere des Hauses integriert ist. „Das Haus ist schon exotisch'“, gesteht der zufriedene Hausbesitzer ein. „Aber jeder, dem man die Vorteile von Sonnenkollektoren für Warmwasser erklärt, ist begeistert.“

Wandflächenheizung: „Schick, weil man sie nicht sieht“

Besonders gut gefällt ihm auch die Wandflächenheizung. „Die sieht schick aus, weil man sie nicht sieht“, so der 45-jährige Informatiker. „Wir mögen schlichte Sachen, da passt es gut, dass wir im ganzen Haus keinen einzigen Heizkörper haben.“ Neben Wandflächenheizungen, deren Warmwasser-Rohre in das Innere der Wände eingeputzt sind, gibt es in der Küche und im Bad Fußbodenheizungen. Aber nicht nur die Optik gefällt den Bewohnern. „Die Flächenheizung harmoniert perfekt mit dem Niedertemperatursystem“, weiß Thomas Schmid, der sich selbst als technikbegeistert bezeichnet.

Bald zwei Jahre wohnt die Familie nun in dem Sonnenhaus mit Sonnenkollektoren. In der Planungsphase hatte der Bauherr mit mehreren Hausbesitzern gesprochen, die große Teile des Heizenergiebedarfs solar decken. „Alle haben gesagt, sie würden es wieder machen“, erinnert er sich. Heute reiht er sich da gern ein: „Wir sind begeistert von dem Konzept. Wir würden sofort wieder mit Sonnenkollektoren bauen.“

Technische Daten:

Einfamilienhaus mit 220 m² Wohnfläche, voll unterkellert
Ziegelbauweise mit Außenisolierung und hinterlüfteter Stülpschalung
Sonnenkollektoren-Fläche: 62 m²
Sonnenkollektorneigung: 60°
Pufferspeicher: Swiss Solartank mit 12 m³ Volumen für Warmwasser,
Höhe 7,80 m, zweistufige Be- und Entladung
Wärmeverteilung: Wandflächenheizung und Fußbodenheizung
Zuheizung: Stückholzkessel Fröling 20 kW
Brennstoffbedarf: 5 Raummeter Stückholz im strengen Winter 2005/2006

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